Tips und Tricks

Vertragsverhandlungen

Wir haben jetzt mehrer Hausangebote vorliegen. Könnt Ihr uns Eure Erfahrungen mitteilen. Sind die Preise noch verhandelbar, ist das empfehlenswert. Wie seid ihr bei der Preis- und Anbieterfindung vorgegangen?
Vielen Dank

  1. Einfach und doch nicht einfach Antwort

    Ein Haus ist ein individuelles Stück. Daher lässt sich ein Hausbau nicht mit einem Autokauf vergleichen.
    Sie (und selbst Experten) können 2 Angebote nicht 1:1 vergleichen. Entscheidend ist die Summe die am ENDE der Bauzeit incl. aller Nebenkosten rauskommt. Dann wissen Sie wer der günstigste war. Nur da haben Sie sich schon für einen Entschieden und können daher das gar nicht. Und nicht immer ist am Schluss derjenige der "günstigste" der im Angebot den billigsten Preis hatte.
    Je Ausführlicher die Bauleistungsbeschreibung ist um so "besser". Wobei das auch noch "schwammig" sein kann. 4 Seiten sind zu wenig. Selbst 100 können noch zu wenig sein.
    z.b. Heizung eines Markenherstellers. Auch Markenhersteller haben "billig-Modelle" im Angebot. Wenn, dann müsste drin stehen...
    Heizung Modell xyz, mit Sonderfeature a,b,c von Hersteller xyz oder so ähnlich. Alles andere lässt Spielraum.
    Tipps:

    • Klären Sie für sich im vorfeld ab WAS SIE WOLLEN
    • 20% Geldreserve für "ungeplantes" ist sicherlich nicht falsch
    • Vertragsunterschrift ERST DANN wenn alles geklärt ist

    also Finanzierung, Nebenkosten, Bemusterung (manches ist vor Unterschrift einfacher/billiger als danach (Nachträge können teuer werden). Und das ganze natürlich ggf. vom Fachanwalt geprüft (z.B. Zahlungsplan etc.).
    Eigener Bauleiter wäre auch nicht schlecht. Baugrunduntersuchung auch.
    Bei allen Angeboten genau lesen.
    Das was NICHT drin steht, ist das was Sie als Bauherr zu erbringen haben (oder wenn drin steht ...Bauseits...).
    Ansonsten hier im Forum mal 2-3 Tage "stöbern". Anders wirds wohl nicht gehen.
    PS: Meine Meinung. Keine Rechtsberatung.

  2. Preis- und Hausanbietervergleich

    Im Allgemeinen ist der private Bauherr den Unternehmen und dessen Beratern in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht ausgeliefert. Überfordert von der Vielzahl der Informationen, geblendet vom Musterhaus und von vollmundigen Versprechungen wird die Kaufentscheidung häufig auf emotionaler Ebene getroffen. Über die möglichen, fatalen Folgen sind sich die Wenigsten im Klaren. Nachweisliche 50 % der Bauherrn würden das Unternehmen mit dem sie gebaut haben nicht mehr beauftragen. Quelle: Fraunhofer Institut 2002. Leider gibt es noch keine Untersuchung wie viel Bauherrn tatsächlich durch "ihr Traumhaus" zum Sozialfall werden.
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    1. Vorbereitung:

    • Prüfung der wirtschaftlichen Machbarkeit mit Finanzierungsberater / Bank und KFWA. Bauneben-, und Finanzierungskosten nicht vergessen + etwaige Provisionen, Gebühren und Versicherungen.

    Kontaktieren eines Bauzeichners / Architekten / Planers und Haus im Maßstab 1:100 - Grundrisse / Schnitte / Ansichten in Abhängigkeit der wirtschaftlichen Machbarkeit entwerfen lassen. Zzgl. WFL Berechnung.

    • Bauaufnahmeformblätter (Festlegung baulicher Details bspw. vom Verblender bis zur Bodenfliese) gemeinsam mit dem Externen, als Grundlage für die eigene Bauleistungsbeschreibung erstellen. Somit ist jeder Bauherr vor Vertragsunterzeichnung im Klaren was er später dann auch erwirbt. Energetische Einsparpotentiale via Energieberater / Architekt nutzen.
    • Bodengutachter hinzuziehen, falls Grundstück vom Hausvertrieb, dann eines vorlegen lassen.
    • Jurist für Bau- und Immobilienrecht kontaktieren, für die Erstellung eines Werkvertrages
    • Bausachverständigen einbinden, der als Unabhängiger die Maßnahme während des Ablaufs kontrolliert und dokumentiert.
    • Bevor das erste Gespräch mit den Unternehmen stattfindet, Sichtung der Unterlagen:

    Finanzierungsbestätigung
    maßstäbliche Zeichnungen
    präzise Baubeschreibung
    Bodengutachten Statik / Feuchtigkeit
    Werkvertrag mit Zahlungsstufen, usw.
    Vereinbarung mit Sachverständiger
    ▶▶▶▶▶▶
    2. Umsetzung

    • Erstes Gespräch mit den Unternehmen. Vorlegen der "Bauherrenmappe." Auf dieser Grundlage ist das Angebot seitens der Baufirma zu erstellen. 14 Tage ab Vorlage der Unterlagen. Falls kein Interesse des Unternehmens, ist der Bauherr im Klaren, wo der Hase hinläuft. Mitteilung über mögliche Eigenleistungen.
    • Nach Eingang oder Besprechen der Angebote (im Idealfall gewerkeweise) der Infrage kommenden, ist ein Preis- und Informationsspiegel zu fertigen, somit erreiche ich eine recht hohe Transparenz. Selbstverständlich sind auch sämtliche Nebenkosten zu kalkulieren. Somit vermeide ich teure Nachfinanzierungen. Kosten für eine Gewährleistungsbürgschaft teilen. Bauzeitenplan erstellen lassen, Einzugstermin mit 4-8 Wochen Toleranz für den Unternehmer, Witterung! Falls Abweichungen aus technischen oder sonstigen Gründen, RS mit den Beteiligten.
    • Festlegung auf 2-3 Anbieter. Referenzen zeigen lassen (ist allerdings auch keine 100%-ige Garantie). Mit ehemaligen Bauherrn sprechen. Über mögliche Reduktionen und Einsparpotential sprechen, jedoch nicht mit unrealistischen Forderungen kommen, schließlich will der Unternehmer auch sein Geld verdienen.
    • Falls alle Stricke reißen, dann Architekten / Planer mit der Umsetzung des Vorhabens beauftragen.

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    Übersicht zusätzl. Kosten (Vertrag beinhaltet oft nur die "Lieferung" eines Hauses)
    1. Baunebenkosten

    • Vermesser
    • Bodengutachten
    • Baugenehmigungverfahren, Prüfung, Abnahmen
    • Herstellen einer Gehwegüberfahrt
    • Erdarbeiten, Aushub und Verfüllen, evtl. Abfuhr von überschüssigem Aushubmaterial
    • Anschlussgebühren, Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Kabel
    • Herstellung der Haus-, Ver- und Entsorgung
    • Bautoilette über die Bauzeit
    • Baustrom, Bauwasser
    • Versicherungen
    • Richtfest

    2. Baubetreuung (ist häufig ein Irrglaube, dass das eine Leistung des Unternehmens ist)

    • Technische und kfm. Baubetreuung

    3. Außenanlagen

    • Eingangspodest
    • Zaunanlagen
    • Pflasterungen, inkl. Unterbau und Einfassungen
    • Terrasse, inkl. Unterbau und Fundamente, 10 m²
    • Rasenflächen anlegen
    • Bepflanzungen, Pflanzen

    4. Sonstiges

    • Blower Door Test und Zertifikat
    • evtl. Festpreisgarantie über Zeitraum X

    ▶▶▶▶▶▶
    Vorgenannte Ausführungen sind jedoch keine 100%-ige Garantie für eine erfolgreiche Umsetzung der Baumaßnahme, allerdings wird das Risiko erheblich reduziert. Dass die externe fachliche Beratung Geld kostet, steht außer Frage. Viel Erfolg!
    Gruß aus Berlin,
    AK

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