offenes Fachwerk abdichten
BAU-Forum: Modernisierung / Sanierung / Bauschäden

offenes Fachwerk abdichten

Seit März wohne ich in einer umgebauten Fachwerk-Scheune aus dem 18. Jh. Die Restaurierung ist meines Wissens fachgerecht durchgeführt worden. Das Haus hat nach allen Seiten ein offenes Fachwerk. Die Gefächer sind mit Lehm zugemacht. Nun stellt sich folgendes Problem dar: zwischen Gefächern und Fachwerkbalken sind mehr oder weniger große Ritzen, durch die man das Tageslicht sehen kann. Im Winter stellte dies bereits ein Problem beim Heizen und Zugluft dar. Gibt es irgendeine Möglichkeit, diese Ritzen (vielleicht mit einem flexiblen Material) abzudichten? Für Tipps bin ich sehr dankbar!
  • Name:
  • Barbara Horn
  1. Wer schmeißt den da mit Lehm?

    Foto von Martin Malangeri

    Wenn ich das richtig verstanden habe oder interpretiere, sind die Lehmausfachungen neu gemacht worden?! Und ist die die Ritze zwischen Lehmausfachung und Holzriegel? Dann ist das Problem einfach zu lösen: Die Fugen sind Aufgrund des großen Schrumpfungsmaßes von Lehm entstanden bei der Austrocknung der Gefache. Besorgen Sie sich vom Baustoffhandel oder einer Ziegelei Lehm und gewaschenen Sand, mischen diesen im Verhältnis 1 (Lehm) zu 3 (Sand) und fummeln die Ritzen mit einer Fugenkelle aus. Bringen Sie keine andere Materialien zum ausfugen ins Spiel. das unterschiedliche Verhalten der Baustoffe zueinander schafft nur noch mehr Probleme. Sollten Sie Probleme haben den richtigen Lehm zu besorgen, können Ihnen die Fachberater der Firma Claytec bestimmt weiterhelfen. Wenn Sie ihn im nächsten Baustoffhandel besorgen geben Sie bitte an wofür Sie den Lehm brauchen, damit Sie richtige Abmischung bekommen. Biobaustoffhändler und erfahrene putze können auch weiterhelfen. Grüße aus Leipzig von
  2. Fachwerk  -  Felder richtig füllen

    Foto von Hans-Joachim Rüpke

    Liebe Barbara Horn, wenn zwischen Gefächern und Fachwerkbalken bei Ihnen mehr oder weniger große Ritzen sind, durch die Sie das Tageslicht sehen können, kann von einer fachgerechten Ausführung leider keine Rede sein. Risse an dieser Stelle dürfen sich immer bilden und dürfen konsequenter Weise wegen des natürlichen Materialverhaltens von Holz- und Gefachmaterial auch sein. Aber eine Anbindung der Gefache an die Fachwerkbalken erfolgt regelrecht durch an die Fachwerkbalken mit nichtrostenden Stiften angeheftete meist imprägnierte Leisten und/oder Kerbverzahnungen. Damit ist ein Herausfallen der Gefache unmöglich und die Fuge wird (in der Falzbildung der Verzahnung eingeschränkt durch die immer möglichen Risse) winddicht verschlossen. Je nach Nutzung wird auf der Innenseite die Fachwerkebene ganzflächig auf einem Putzträger (viele Möglichkeiten: Rohrgewebe, Rabitz, Streckmetall, Holzwolleleichtbaublatten ...) überputzt, um eine höhere Dichtheit zu gewährleisten. Weiterhin gibt dies eine bauphysikalisch bedenkenlose und funktionierende (also dem Sichtfachwerk artgerechte) Wärmedämmung. In Scheunen und untergeordneten Gebäuden war das vormals natürlich als nicht nötig angesehen. So wie ich das von der Ferne beurteilen kann, liegt der Wurm bei Ihnen schon in der Ausführungsplanung, indem der Planer unzulässig auf die Dichtheit durch eine bautechnisch mögliche und nötige Innenbekleidung ganz ohne Grund verzichtet hat. Manchmal möchte man innen die Balken sehen, aber das bringt dann (unvermeidbare) Undichtigkeiten mit sich. Kann das so sein? Viele Grüße
  3. fachgerecht  -  nicht fachgerecht

    Foto von Martin Malangeri

    kleiner Nachtrag zur Überschrift, fußend auf den Beitrag von Herrn Rüpke: Fachleute die den Baustoffe Lehm verwenden, sollte das teilweise enorme Schrumpfmaß (kommt auf die Technik an: bei Lehmsteinen oder Stakung/Weidengeflecht weniger, bei Strohlehm oder Strohleichtlehm mehr) bekannt sein. Lehmbauer aus meinem Umkreis hier wissen das und setzen direkt einen Nachbehandlungstermin an um die entstandenen Fugen wieder aufzufüllen, der teilweise mehrere Monate später erst zustande kommt. Auch wird ein zurückstellen des Anstrichs und des Feinputzes empfohlen. Sollten die Gefache dann wirklich einigermaßen neu gemacht sein, fühlt sich eventuell auch noch jemand verantwortlich und beseitigt die Fugen als Restleistung oder als Mangel.
    • Name:
  4. echte Fachleute..

    ich meine Leute, die Lehm schon in der Hand hatten, und weiß Gott wie viele Häuser mit Strohlehm, leichtlehm und anderen Lehmtechniken etc. gebaut haben schließen sich der Meinung des Herrn Rüpke an. das ist murks, was sie da schildern.
    der zweite Murks ist ein Fachwerk "nach allen Seiten offen". das mag zwar charakterlich eine gute Eigenschaft sein, im Fachwerkbau, einer fugenbauweise per ex. aber großer Unsinn! zumindest eine Seite der medaille "muss" vollflächig geputzt sein, das ist meine feste Überzeugung! sonst wird das nie winddicht!
    die entstehenden schwindfugen sollten kleiner 3 proz flächenschwund sein, sonst ist die Lehmmischung zu fett geraten. auf dem Strohlehm werden üblicherweise Putzschichten aufgebracht, die in diesen nicht zu groß geratenen schwundrissen eine hervorragende physikalische Verankerung erfahren. eine ausspachteln vor aufbringen der putzlage wäre also kontraproduktiv!
    von einer putzlage schreiben sie nichts. gibt es die nicht? das wäre der nächste murks!
    erstaunlich finde ich die hohe Toleranz dem Baustoff Lehm gegenüber --- man Stelle sich vor, sowas würde einem über ein Holzrahmenbau-Gebäude oder einen Massivbau erzählt werden  -  da wären die Herren sachverständigen wie die wölfe drauf gegangen ...
    • Name:
    • roland
  5. Naja ...

    Naja ich überlege die ganze Zeit, ob das Haus unter Denkmalschutz steht und wie dick die Wand eigentlich ist.
    In Mecklenburg haben wir mal ein Gartenhäuschen (jaja, unsere Bierecke für den Winter *g*) aus Holzfachwerk und Lehm/Stroh gebaut. Mordsarbeit, aber prima Klima. Der Wärmeschutzverordnung würde es wohl nicht standhalten, der Energieverbrauch ist aber erstaunlich gering (ja, auch nüchtern!)
    Uns als Laien ist da allerdings auch einiges gerissen, aber da kannte ich Herrn Rüpke und Malangeri nicht nicht 🙂
    • Name:
    • Martin Beisse
  6. Tageslicht bei 3 %

    Foto von

    Irgendwie haben Sie ja schon recht, Herr Roland, auch mit Ihrer Maximale von 3 %. Nehmen Sie mal 3 % von einem Feld von beispielsweise 80 x 80 cm. Da macht das 192 cm² aus, immerhin! Nicht das wir uns falsch verstehen. Murks bleibt Murks: in dem Fall falsche Ausführung oder falscher Baustoff oder zu mindestens falsche Beratung vom ausführenden Handwerker. Ansonsten will ich jetzt hier keine Lanze für den Baustoff brechen  -  aber eins steht fest  -  es ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige Baustoff der in großen Mengen vorhanden ist und ohne Probleme wieder und wieder verwertet werden kann, biologischer geht es kaum.
    ... und jetzt Coke bei 3 °C?
    • Name:
  7. und welche fugenbreite ...

    errechnet sich da bei dem Beispiel: richtig 0,6 cm. na das ist ja schon mal was!
    zu der mär vom Bio-Baustoffe par excellence:
    • Kalk steht in gigantischen Mengen zur Verfügung
    • getrockneter Lehm braucht ganz schön Energie, bis er wieder verarbeitbar ist!

    na denn proust!

    • Name:
    • roland
  8. Murks?

    Zunächst mal ganz herzlichen Dank für Ihre Beiträge! Hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass jemand Rat weiß. Es ist so, dass die Scheune tatsächlich unter Denkmalschutz steht. Die fehlerhaften Wände sind geschätzt ca. 15-20 cm dick. Ich habe mir das ganze gestern Abend noch mal genauer angeschaut. Es ist offensichtlich so, dass die Gefache, die vor rd. 15 Jahren beim Umbau der Scheune gemacht wurden, durchaus dicht sind. Hier wurden auch die Balken etwas überputzt. Es gibt erneuerte Gefache (ca. 1 Jahr alt), die die von mir beschriebenen Ritzen aufweisen. Es sieht in der Tat so aus, als sei das "Innenleben" geschrumpft. Die erneuerten Gefache verjüngen sich zu den Balken hin, der Überputz entfällt, wie gesagt. Es könnte auch sein, dass zumindest 1 kurze Wand verputzt ist. Diese grenzt an ein Nachbarhaus (kleiner Gang ist dazwischen, ist jedoch nicht begehbar und einsehbar). Die gegenüberliegende Wand ist mit einer Art Wellblechplatten verkleidet. Diese Wand scheint von den Gefachen her recht dicht zu sein. Hier hakt es jedoch an der Zwischendecke. Zur Erklärung: das Erdgeschoss ist verkleinert worden, weil ursprünglich ein schmaler Gang für die Verlegung eines Gasrohres abgetrennt werden musste. Dieser Gang verbindet den Innenhof mit dem Garten, hat also 2 Holztüren, die den Wind durchblasen lassen, der wiederum auch durch die Zwischendecke an der Wand ins erste Stockwerk kommt. Dort zieht es im Winter gewaltig. Sie sehen, offenbar weist unser Traumhaus doch erhebliche Mängel auf, die, wie ich Ihren Beiträgen entnehmen kann, wohl nicht unbedingt in Kauf genommen werden müssen, wenn man in einem Fachwerkhaus wohnen möchte. Ich hoffe, ich habe alles verständlich beschrieben. Danke allen für die Hilfe! Viele Grüße Barbara Horn
    • Name:
    • B. Horn
  9. Weitere Frage; Ausfachungen Wie sollten diese korrekt aussehen

    Zum Thema "richtiges -" bzw. eben auch "falsches Ausfachen" noch diese Frage: Ausfachungen kissenförmig anzubringen ist falsch. Sollten Ausfachungen nun vorstehen und/oder etwas versetzt nach hinten (sodass das Fachwerk vorsteht) angebracht werden. Bin schon auf beide Lösungen gestoßen. Welche ist besser. Ist es am besten, wenn oben zurückgesetzt und unter drüberstehend? Also Schräglage? Somit wurde man oben und unten eine Abtropfkante erzielen? Danke!
    • Name:
    • Uwe
  10. tropfkante am Fachwerk?

    Hallo Uwe,
    was besser ist, kann man diese frage beantworten? an historischen fachwerken, egal welcher Region und welcher Bauzeit findet man verschiedenste Ausführungen  -  auch Kassettierung, das heißt kissenförmige Ausfachungen.
    ob das nun falsch oder richtig ist? was die "Wirkung" des kissens angeht ist es ein gestalterisches Element? eine Laune des ausführenden? schlechter Geschmack?
    bautechnisch ist das natürlich bedenklich! da wird das Niederschlagswasser in die fuge geleitet!
    schräglage ist wohl auch so eine Fehlleitung konstruktiven denkens! was soll damit erreicht werden? das Niederschlagswasser soll von der Fassade weggeleitet werden? wenn du die VOBAbk. und die klempnerfachregeln kennst, weißt du dass eine tropfkante bei Gebäudehöhen unter 8 m 20-30 mm haben sollte! von was reden wir hier also?
    Fachwerk hat andere regeln:
    A mehrfach überlappende Schichten auf Holz und Gefach (wie ist der beistrich, die Bänderung, die Balkenverbreiterung "konstruktiv" entstanden?)
    B dampfdiffusionfähige fuge und ddfähiger gefachaufbau (eindringende feuchte muss raus können)
    • Name:
    • roland
  11. Fachwerk und Regenschutz

    Foto von

    Ja das ist genau der Punkt. Wer nach Rom will, kann nur einer der vielen Wege beschreiten, es reicht eben nur der fest Glaube. Um zu einer funktionierenden Baukonstruktion zu gelangen, muss man immer mehrere Wege gehen, dazu heißt es nun mal feste Lernen. Viele Grüße
  12. Philosophie für fußgänger ...

    oder Rom  -  pilger?
    hu nose? -
    • Name:
    • rn
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