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Keller

Tränender Hausschwamm?

Hallo liebe Experten. Wo ist der Unterschied zzwischen "tränendem" Hausschwamm und "normalem" Hausschwamm?
Die Bautenschutzfirma hat gesagt, das braune Zeug im Keller wären Fruchtkörper des "tränenden" Hausschwamm und die müssen als Sondermüll gesondert entsorgt werden (150 Euro extra).

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  • Svenja
  1. Zusatzfrage

    Wenn das mit dem Sondermüll stimmt, sind dann 150 Euro nicht ein wenig happig? (Auf dem Kompost werfen wäre billiger)

    Name:

    • Svenja
  2. echtes Problem

    Hallo,
    ich kannte bisher nur den "echten" Hausschwamm. Warum sollte es nicht auch einen "tränenden" geben.
    Tatsache ist, dass der Hausschwamm, insbesondere wenn er schon Fruchtkörper ausgebildet hat, ein echtes Problem darstellt. Er befällt und zerstört nicht nur Holz sondern auch Mauerwerk. Er kann etliche trockene Jahre überdauern ohne einzugehen und ist dann plötzlich wieder da.
    Ja, der Hausschwamm ist Sondermüll. Das teure ist dabei nicht die Entsorgung sonder der fachgerechte Transport. Das schlimmste was Sie machen können wäre, Schippe und Besen zu nehmen und alles breit tragen.
    Wahrscheinlich werden noch Holzschutzexperten antworten. Die können dann bestimmt eine bessere Auskunft geben. In jedem Fall sollte hier aber nur eine Fachfirma ran.
    Mit freundlichen Grüßen

  3. der 'tränende' ist der echte

    Hausschwamm,
    da er sich die Feuchtigkeit zum Wachsen selbst besorgt, sogar über das Mauerwerk (das er nicht befällt und zerstört, sondern durchwächst und weiter nach Feuchte + Holz jenseits des Mauerwerks sucht).
    Er hat schon manches Gebäude geschafft, man sollte ihn nicht mit der Schüppe verbreiten
    mfg

  4. Gibt es da eine Art Gütesiegel?

    Gibt es eine Art Gütesiegel für Fachfirmen, die auf Hausschwammbeseitigung spezialisiert sind? Wieso Holz? Der Pilz wächst im Mauerwerk.

    Name:

    • Svenja
  5. nein, keine Sorge

    verbreitet werden soll er nicht. Auch nicht mit der Schüppe. Die Bautenschutzfirma will ihn mit der chemischen Keule bekämpfen. Ich gebe morgen einige Positionen aus dem Angebot durch. Vielleicht können mir die Experten bei einigen Unklarheiten helfen. Bis dann schonmal vielen Dank.

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    • Svenja
  6. Hallo liebe Experten,

    Hallo liebe Experten, ich bins nochmal. Die Bautenschutzfirma hat uns angeboten:
    1. Fachgerechte Entsorgung der Fruchtkörper und schwammbefallenen Holzteile
    2. Entfernen des alten Putzes, Auskratzen des Mörtels aus Fugen (2 cm tief)
    3. Fachgerechte Entsorgung von Putz und Mörtel
    4. Bohrlöcher einbringen (versetzt, ca. 20 pro qm), Kunststoffpacker setzen
    5. Bekämpfungsmittel einbringen (3 bis 4 bar), Bohrlöcher mit Mörtel verschließen
    6. Verputz mit WTAA-Sanierputz
    Nun meine Fragen: Ist das Angebot so in Ordnung oder fehlt irgendwas? Bis in welchem Abstand von den Stellen, wo die Fruchtkörper wachsen muss der Putz entfernt werden? Wozu ist der Kunststoffpacker? Was ist WTA-Sanierputz?
    Vielen Dank im Voraus

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    • Svenja
  7. Des Rätsels Lösung...

    Der Echte Hausschwamm heißt auf Latein Serpula Lacrimans, das wiederum wörtlich ins deutsche übersetzt bedeutet: "der Tränende".
    Das ist die Beschreibung einer Eigenschaft auf dem Fruchtkörper und manchmal auch auf dem Myzel Flüssigkeitstropfen auszubilden.
    Nichtsdestotrotz bleibt er der einzige Hausschwamm, der auch im Haus auftritt. Die Namensvettern "Wilder Hausschwamm", "Gelbrandiger Hausschwamm" und "Balkenbewohnender Hausschwamm" brauchen so hohe Feuchten im Holz, das sie in der Regel im bewohnten Gebäude nicht auftreten und nur im Freien zu finden sind.
    Beseitigte und befallene Bauelemente sind insofern kein Sondermüll, als das sie nicht auf Sonderdeponien oder spezielle Verbrennungsanlagen gebracht werden müssen. Nach DINA 68800, Teil 4 Pkt. 4.2.4 heisst es lediglich: "...Sie sind daher unverzüglich zu sichern und geordnet zu entfernen." Einer energetischen Verwertung (zu deutsch: fachgerechtes verbrennen) ist laut DIN-Kommentar den Vorzug zu geben, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Mühe macht und Kosten verursacht, dagegen der Abtransport in geschlossenen Behälter und die Behandlung der Baustelle als "Seuchenstation". Aber dies sollte auch bei anderen holzzerstörenden Hausfäulen (z. B. Brauner Kellerschwamm, Weisser Porenschwamm, Ausgebreiterer Hausporling, Tannen- und Zaunblättlinge, u.a.) geschehen und nicht nur auf den Echten Hausschwamm beschränkt bleiben (hier ist jedoch höchste Vorsicht gegeben, weil er der gefährlichste dieser schrägen Vögel ist).
    Die benannten 150 EUR sollten mal mit einer Leistung beschrieben werden, damit hier beurteilt werden kann, ob der Betrag angemessen erscheint.
    Optimal ist die Begleitung der Maßnahmen durch einen unabhängigen Sachverständigen für Holzschutz, der den Umfang der ausgeführten Leistungen beurteilt, die er vorher vorgeschlagen hat und auch meistens die Qualifikation einer Firma besser beurteilen kann.
    Gütesiegel für Firmen gibt es in einer solchen Fülle, das der Laie kaum noch unterscheiden kann zwischen Selbstgebastelt und Hochseriös. Gute Merkmale sind jedoch das Gütesiegel des DHBV (Deutscher Holz- und Bautenschutzverband) und die Qualifikation einzelner Mitarbeiter zum "Sachkundigen für Holzschutz" (möglichst mit Eintrag bei der Geschäftsstelle des Ausbildungsbeirates für bekämpfende Holzschutzmaßnahmen, Anwaltskanzlei Omankowsky und Meinhardt, Luxemburgerstraße 150, 50937 Köln). Abseits dieser beiden benannten Qualifikationen gibt es noch diverse andere seriös ausgebildete Fachleute. Abzuraten ist allerdings von Firmen, bei den gleichzeitig Abbruch, Einbau genormter Fertigbauteile, Hausmeisterdienste und ähnliches neben dem Bautenschutz im Firmenprofil steht.
    Ein letztes: Alle Pilzarten benötigen IMMER ein organisches Material als Grundlage (z. B. Holz, Papier, Leder, usw.). Wenn das Myzel oder der Fruchtkörper im Keller gefunden wurde, MUSS es dafür eine organische Grundlage gegeben haben, die vielleicht mittlerweile beräumt wurde.
    Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig

  8. Überschneidung der Beiträge

    Hallo Svenja,
    hier nochmal die Fragen:
    "...Nun meine Fragen: Ist das Angebot so in Ordnung oder fehlt irgendwas? Bis in welchem Abstand von den Stellen, wo die Fruchtkörper wachsen muss der Putz entfernt werden? Wozu ist der Kunststoffpacker? Was ist WTAA-Sanierputz?..."
    Das Angebot hört sich erstmal vollständig an. Die Benennung des verwendeten Mittels, einschl. Wirkstoff fehlt noch als Feinheit. Auch sollte eine Kennzeichnung der behandelten Stelle nach erfolgtem Abschluß der Arbeiten erfolgen.
    Günstig wäre ein Abflämmen der Mauerwerksbereiche, weniger als weiteren Bekämpfungsschritt, sondern um den Befallsbereich durch das typische Aufglimmen der Myzele besser überprüfen zu können. Die Mauerwerksbehandlung hat im Umkreis von 1,50 m in alle Richtungen ab der zuletzt festgestellten sichtbaren Befallsgrenze zu erfolgen. Dazu gehören neben dem Fruchtkörper auch die Myzele (Wachstumsstränge) des Pilzes.
    Kunststoffpacker gehören zum Injektageverfahren der chemischen Behandlung mit einem Schwammsperrmittel und dienen zur Befüllung der gebohrten Löcher. Dieses Verfahren sollte erfolgen wenn Myzele in den Mauerwerksfugen gefunden wurden. Alternativ hierzu gibt es Schaum- und Flutverfahren, die aber nur die Oberfläche behandeln und auch nur bei oberflächigem Befall eingesetzt werden sollten.
    WTA-Sanierputze sind Putze, die nach WTA-Merkblättern (WTA = Wissenschaftlich-Technische Anstalt für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege) ausgeführt wurden. Ein Sanierputz ist zumeist ein Opferputz (also ein Putz der nach einer bestimmten Zeit, meist 8-15 Jahre erneuert werden muß), der zur Aufnahme der Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk dient.
    Offen bleibt mir auch einiges an Fragen: Was ist der Grund für den Befall? Woher kommt die Feuchtigkeit? Wenn die behandelte Wand mit einem Putz abgedeckt wird, ist das völlig richtig. Ist aber der Sanierputz wirklich notwendig, der bekämpft schliesslich nur die Symptome und nicht die Ursache der Feuchtigkeit...!
    Grüße

  9. Einen hab´ ich noch!

    Die Mauerwerksbehandlung mit Chemie ist nur dann notwendig, wenn auch wirklich Befall durch Echten Hausschwamm vorliegt! Bei allen anderen ist sie nicht erforderlich! Ist die ausführende Firma auch wirklich sicher, das es nun "der Tränende" ist oder vielleicht doch eher der "Brauner Kellerschwamm" oder der "Weisse Porenschwamm", deren Erkennungsmerkmale manchmal dem Echten Hausschwamm ähneln. Seriöse Fachleute können Ihnen die feinen Unterschiede vor Ort genau erklären. Ich habe bei Untersuchungen auch meist 1-2 Fachbücher unstrittiger Ekspärden dabei um anhand von Bildern und Texten meine (meist kostenintensiven) Festlegungen besser erklären, belegen und nachweisbar machen zu können. Fühlen Sie dort doch nochmal auf den Zahn!

  10. Wow! Herzlichen Dank

    Wow! Herzlichen Dank für die umfassende Auskunft, Herr Malangeri.
    Ja, auf den Fruchtkörpern sind am Rand Tropfen zu sehen. Ist das Wasser? Ich dachte das wäre ein giftiges Pilzsekret. Auf jeden Fall ist drum herum der Kellerboden dunkler geworden.
    Die Fruchtkörper sehen genauso aus wie auf den Fotos von Herrn Drentrup. Obendrauf wie mit Kakaopulver bestäubt und mit einem dickem weißen Rand. Es sind drei große, die jeweils über 0,5 Meter breit sind und 20 cm in den Raum hinein und die Wand hochgewachsen sind. Dann gibt es noch ca. zehn kleine Fruchtkörper im Durchmesser von 20 cm und noch viele kleine rosafarbige Gespinste in den Kellerecken. Früher wurde in dem Keller Holz gelagert und beim Ausmisten haben wir den Schlamasel unter dem Holzstapel entdeckt.
    Die Firma ist vom TÜV Rheinland für bekämpfenden Holzschutz, Abdichtung von Fugen und Betoninstandsetzung geprüft (ist das ok?).
    Das Mittel heißt AIDA RAL 171/88 (wie die Oper?).
    Die Feuchtigkeit kommt wahrscheinlich von einem undichten Abflußrohr, das aber schon vor über einem Jahr repariert wurde.

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    • Svenja
  11. Na schön.

    Der TÜV gehört nicht zu meinen Lieblingsvereinen im Bauwesen, aber immerhin ist es ein anerkanntes Institut und die Qualifikation der Firma scheint erstmal nachgewiesen zu sein.
    Die Struktur des Echten Hausschwamms im Mittelfeld des Fruchtkörpers ist dunkelbraun und leicht gekräuselt, Fruchtkörper und Myzele lassen sich leicht vom Untergrund trennen. Nach austrocknen müßen die Myzele leicht knacken (vorher die Myzele einfach mal ne halbe Stunde auf einen Baustrahler oder Heizkörper legen). Das "Kakaopulver" werden demnach die Sporen sein (sieht aus wie Roststaub). Hiermit besonders vorsichtig sein. Sowas trägt man sich an den Schuhen gerne in alle Richtungen.
    AIDA RAL 171/88 gibt es m. E. so nicht. Anhand der RAL-Nummer 171 habe ich allerdings das Schwammsperrmittel Adolit M flüssig ausfindig gemacht. Die RAL-Nummer stammt noch aus einer veralteten Zulassung. Das Mittel ist für den Einsatz durchaus geeignet. Die Mittelgruppen haben inzwischen eine Bauaufsichtliche Zulassung mit Ü-Zeichen. Die Zulassungsnummer müßte Z-58.2-1451 ein. Dann sind die Wirkstoffe Dimethylbenzyl-alkyl(C12-C14)-ammoniumchlorid (20%) und Natriumpolyborat (12%) darin enthalten. Sollten sich bei Personen, die sich häufig in dem Raum aufhalten, ggfs., evtl. und vielleicht (Risiko ist sehr stark eingeschränkt), allergische Reaktionen zeigen, sollte Sie den behandelnden Arzt die Wirkstoffe mitteilen.
    Das Mittel ist vor der Verarbeitung und Einwirkung ätzend. Sorgen Sie dafür, das Kinder davon ferngehalten werden, während der Verarbeitung nicht geraucht und gegessen wird und eine Augenspülflasche vor Ort ist. Letzteres ist eigentlich Sache der ausführenden Firma, aber so etwas wird immer gerne vergessen und es ist immer besser, wenn einer mehr dran denkt...
    Maximale Erfolge!

  12. Ich hab mich vertan!

    Tut mir leid, ich hab es falsch abgelesen. Sie haben recht, es heißt Adolit. AIDA ist der Mörtel zum verschließen der Bohrlöcher. Ich werde noch heute den Pilzbrat- und Knacktest machen und mich dann wieder melden. Vorerst herzlichen Dank für Ihre schnelle Hilfe.

    Name:

    • Svenja
  13. Noch eine Frage zum Knacktest

    Noch eine Frage zum Knacktest
    Ist das nicht gefährlich? Kann ich den Pilz mit bloßen Händen anfassen oder sollte ich besser Handschuhe und Schutzmaske nehmen? Der Fruchtkörper sieht ehrlich gesagt ziemlich ekelig aus. Sind die braunen Sporen nicht gesundheitsschädlich? Ich werde ein Stückchen davon am besten wohl draußen trocknen, damit mir davon nichts in die Wohnung kommt.

    Name:

    • Svenja
  14. Schmackhafte Pilzgerichte.

    Also erstmal: der Pilz ist in der Hauptsache gefährlich für Ihr Haus! Ich kenne Fachkollegen die sich einen Fruchtkörper des Echten Hausschwammes schon in der Pfanne gebraten und verspeist haben. Er schrumpft stark zusammen und schmeckt ungewürzt ein wenig fad. :-)
    Die Sporen des Schwammes sind zu groß um sich in Ihrer Lunge festzusetzen, da sind die Sporen der Schimmelpilze schon weitaus gefährlicher.
    Für den Knacktest suchen Sie sich besser, falls vorhanden, ein Stückchen Myzel (in unmittelbarer Nähe des Fruchtkörpers, sieht aus wie verästeltes Wurzelwerk, meist hell- bis dunkelgrau, 1-15 mm Durchmesser).
    Handschuhe und Maske sind an sich nicht notwendig, gründliches Händewaschen schon eher.
    Die Sache mit dem gebratenen Pilz ist verbürgt, wird aber trotzdem nicht zur Nachahmung empfohlen.
    Die "Ekligkeit" des Pilzes ist ein subjektives Empfinden, das mit der Zunahme an Kenntnissen über diese Spezies normalerweise abnimmt. Ohne holzzerstörende Pilze, so tragisch wie das Vorkommen im Gebäude auch sein kann, gäb es den natürlichen Kreislauf des Holzes (Baum wächst durch Humus, stirbt ab, wird durch Pilze zersetzt, Humus wird gebildet, neuer Baum wächst) nicht und die Natur würde in Ihren Abläufen empfindlich gestört.
    Es grüßt in filosofischen Gedanken versunken

  15. Igitt!

    Nein danke, braten werde ich mir das ganz bestimmt nicht. Aber was haben Ihre Kollegen denn für einen seltsamen Geschmack? Essen die auch auch frische überbrühte Hundewelpen, wie die Koreaner?
    Wegen des hohen Ekelfaktors habe ich nun meinen Mann beauftragt ein Stück von dem Geflecht herauszuschneiden. Mal sehen bzw. hören ob es knackt?

    Name:

    • Svenja
  16. Was der Bauer nicht kennt...

    frißt er nicht.
    Nein, über gebrühte Hundewelpen ist mir nichts bekannt.
    Das schließt jedoch nicht aus, das jemand nach langjähriger, intensiver und einseitiger Beschäftigung mit einem bestimmten Gegenstand Erkenntnisse gewinnt und Experimente durchführt, die von Außenstehenden nur als wunderlich bezeichnet werden können. ;-))

  17. Es knackt!

    Zwar leise, aber eindeutig. Dann werden wir also der chemischen Keule grünes Licht geben und dem tränenden echten Schwamm den Garaus machen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werde ich mich dann wahrscheinlich nochmal melden. Vorerst vielen Dank den Ratgebern, insbesonders Herrn Malangeri.

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    • Svenja
  18. Der "Echte Hausschwamm" - gefährlichster Gebäudezerstörer

    Herr Malangeri hat schon so viel richtig beschrieben und trotzdem erlaube ich mir noch etwas dazuzugeben.
    Obwohl der Hausschwamm schon seit langer Zeit bekannt ist, die ältesten Überlieferungen gehen in die Zeit 1300 v. Chr. zurück, muß man sich wundern, daß er noch so stark verbreitet ist. In den Altstadtgebieten sind oft ganze Straßenzüge vom echten Hausschwamm befallen, der mit den Speise- und Giftpilzen eng verwandt ist. Die genaue Bezeichnung lautet: serpula lacrimans.
    Erkennen des echten Hausschwamms.
    Wegen seiner vielfältigen Erscheinungsformen wird der echte Hausschwamm sehr oft von Bauunternehmern, Architekten und sogar Bausachverständigen nicht erkannt. Immer wieder kann man feststellen, daß durch die Fehlbestimmung und Fehleinschätzung von Schadensbildern und Erkennungsmerkmalen unsachgemäß Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Anhand gezielter Untersuchungen durch Fachleute wurde z. B. in Berlin festgestellt, daß nur ca. 40 % der in einem Altstadtgebiet unter-suchten Häuser frei von holzzerstörenden Pilzen waren.
    In 40% der Fälle war der Befall durch den echten Hausschwamm sichtbar. Ein weiterer hoher Prozentsatz der untersuchten Häuser war mit ähnlichen, stark holzzerstörenden Pilzen befallen, z.B. der braune Kellerschwamm, der weiße Porenschwamm und einige Blättlingsarten. Die Unterscheidungsmerkmale an dem befallenen Holz sind nur mikroskopisch zu analysieren. Relativ gute Unterscheidungsmerkmale weisen die einzelnen Fruchtkörper auf. Es kann auch eine Differenzierung durch die Myzelstränge vor-genommen werden.
    Ausbreitung des Hausschwamms.
    Wenn man bedenkt, daß eine Art der Ausbreitung über die Sporen stattfindet und ein gut ausgewachsener Fruchtkörper diese Sporen millionenfach produziert und in der Raumluft verteilt, so kann man sich leicht vorstellen, daß die Ausbreitung allein durch die Sporen unheimlich große Ausmaße annehmen kann. Sehr oft findet man im Keller, besonders im Bereich von Kellergewölben diese Fruchtkörper. Fal-len nun die Sporen in sehr großer Anzahl auf einen günstigen Nährboden, genannt sei hier z. B. Holz, so bedarf es zum Keimen und zur Verbreitung nur noch günstiger Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse.
    Zunächst bilden sich sogenannte Keimhyphen. Vom Primärmyzel wachsen weiter Hyphen, die sich sehr schnell vermehren und sich miteinander verzweigen. Diese ergeben später ein dichtes Pilzgeflecht. Bei dem Myzel wird unterschieden zwischen dem sogenannten Substratmyzel, das im Innern des Holzes wächst und dem Oberflächenmyzel, das zunächst auf der Holzoberfläche und später auch auf dem Mauerwerk sich weiter verbreiten kann. Beim echten Hausschwamm gibt es auch noch ein sogenanntes Luftmyzel. Man erkennt es an feinen, weißen, watteartigen Gebilden. Beim echten Hausschwamm ist der Fruchtkörper zunächst charakteristisch rotbraun gefärbt, an den Randzonen hat er weiße Zuwachsränder, diese können auch watteartig aussehen. Ältere Fruchtkörper werden oft dunkelbraun bis schwarz. Sehr oft hängen sie im Bereich der Keller von den Decken wie alte Lumpen an den Oberflächen. Neben den Sporen sind auch andere Ausbreitungsmöglichkeiten bekannt. Es ist z.B. ohne weiteres möglich, daß die Ausbreitung auch über Myzelstränge oder Teile von Myzelsträngen durch Verschleppen, z.B. mit den Schuhen oder irgendwelchen befallenen Gegenständen, die von einem in den anderen Raum gebracht werden, erfolgt.
    Praxisbeispiele.
    Der Autor hat jahrelange praktische Erfahrung bei der Bekämpfung von Hausschwamm und möchte ein besonders gravierendes Beispiel für die Ausbreitung des Hausschwammes aus seiner Praxis schildern:
    In den Kellerräumen einer Münchner Weingroßhandlung, in einem Altbau, wurde im Bereich der Deckenkappen sehr starker Hausschwammbefall festgestellt. Fruchtkörper bis zu einer Größe von einem Meter Durchmesser hingen an der Unterseite. Die Sporen derselben fielen auf die darunter gelagerten Weinkartons. Hunderte von diesen Pappschachteln waren mit einer roten Sporenschicht überzogen. Nach Feststellung dieses Befalles wurde die Behörde von diesem Schwammbefall verständigt.
    In Bayern ist die Meldepflicht weggefallen. Die Verantwortung obliegt jetzt dem fach- und sachkundi-gem Bauleiter oder Architekten. Die Bekämpfung muss durch einen Fachbetrieb sowie den anerkannten Regeln der Technik aus der DINA 68800 erfolgen.
    Mit Verwunderung stellte der Autor nach 3 Jahren fest, daß nicht saniert wurde. Das Haus sollte zunächst verkauft werden um es dann später in Wohneinheiten aufzuteilen. Durch den Besitzerwechsel wurde die Sanierung über einen Zeitraum von mehr als 3 Jahren hinausgezögert! Die Weinhandlung wurde jedoch weitergeführt, so daß bei mehrmaligen Warenumschlag innerhalb dieser Zeitspanne eine Unmenge sporenbehafteter Weinkartons in die verschiedenen Keller der Kunden gelangt ist. Ein Großteil der Keller eignet sich mit Sicherheit bei feuchten Umweltbedingungen hervorragend für die Ausbreitung des Hausschwammes.
    Um sich über die Gefährlichkeit des echten Hausschwammes ein klares Bild zu verschaffen, sollte noch ein Versuch erwähnt werden, der Aufschluß über die Zerstörung gibt. An infizierten Holzstücken (Kiefersplintholz) war nach einem Monat eine Gewichtsabnahme von über 4 % festzustellen, bereits nach 2 Monaten aber schon 27 %. Das befallene Holz konnte leicht mit dem Fingernagel auch quer zur Maserung eingedrückt werden.
    Der Hausschwamm kann pro Tag mehrere cm in alle Richtungen wachsen.
    Noch etwas anderes macht den echten Hausschwamm so gefährlich. Die erwähnten Myzelstränge, in der Regel 1 - 5 mm stark, wachsen nicht nur durch Kohle- und Briketthaufen, zwischen Fugen von Bret-tern und Balken, sie wachsen auch durch feine Ritzen im Mörtel und zwischen den Mauersteinen hindurch. Selbst qualitativ schlechten Beton kann der echte Hausschwamm durchdringen. Er kann sich somit von einem Raum in den anderen, von einem Stockwerk zum nächsten, in Einzelfällen sogar vom Keller bis zum Dach verbreiten. Sehr oft findet man diese Myzele auch hinter dem Putz im gesamten Mauerwerk und deswegen wird der Laie oft auch vom Mauerschwamm sprechen.
    Hat das Wachstum des Hausschwammes ein bestimmtes Ausmaß erreicht, und tritt durch Feuchtigkeitsmangel oder andere für die Entwicklung ungünstige Umstände ein Wachstumsstillstand ein, der auch mehrere Jahre andauern kann, so kommt es zur Bildung von Frucht- oder Vermehrungskörper. Sind diese Fruchtkörper gewachsen, kann der echte Hausschwamm in gewissem Umfang selbst zur Auf-rechterhaltung seiner Lebensbedingungen sorgen.
    Bei der Zersetzung der Zellulose durch das Substratmyzel entsteht Wasser. Es erscheint häufig in Tropfen auf dem Oberflächenmyzel, woher die Bezeichnung "Tränenschwamm" und der wissenschaftliche Artname "lacrimans" (der Tränende) abstammen. Dieses Wasser führt direkt zur Durchfeuchtung des Holzes, mindestens jedoch zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und damit wiederum der Holzfeuchtigkeit.
    Der echte Hausschwamm ist wie oben schon erwähnt der gefährlichste und zugleich der am schwierigsten zu bekämpfende Zerstörer in Gebäuden, in denen Holz verbaut ist.
    Deswegen sehen die meisten Bauordnungen der Länder eine Meldepflicht und eine sofortige Beseitigung vor.
    Eine Hausschwammbekämpfung sollte nur durch ausgebildete und geschulte Fachfirmen durchgeführt werden, da eine unsachgemäße Sanierung weitaus größere Schäden (Ausbreitung) zur Folge haben kann.
    Wichtigste Sanierungsmaßnahme ist das Abstellen von Feuchtigkeitsquellen!
    Technische Fehlerquellen, wie undichte Wasserleitung, Regenrinnen, Abflußrohre etc., kapillar aufsteigende oder eindringende Feuchtigkeit, müssen beseitigt bzw. repariert werden.
    In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß es eine Vielzahl ungeeigneter Trockenlegungsmaßnahmen gibt. Der Hausbesitzer soll bedenken, daß die mechanischen Trennungen wie Mauer-erksaustausch, Absägen der Mauern und Einlegen von Folien, oder das Eintreiben von nichtrostenden Chromstahlplatten zu den sichersten handwerklich ausführbaren und sofort überprüfbaren Möglichkei-ten gehören.
    Auch undichte Dächer (Dachluken, Kaminanschlüsse etc.) sollten überprüft und ggf. von Fachleuten repariert werden. Des weiteren sollte man Fensterbankanschlüsse und vorspringende Sockel, Hausanstriche und Fassaden in Augenschein nehmen. Der Anstrich sollte nicht nur unter dem Gesichtspunkt der optischen Verschönerung betrachtet werden, sondern auch für eine trockene Fassade sorgen. Ebenso ist darauf zu achten, daß richtig gelüftet und geheizt wird.
    Schwammbekämpfung nur durch erfahrene Fachfirmen.
    Die Gefahr des Wiederauflebens des Hausschwamms ist außerordentlich groß. Die Befallstellen sind genau abzugrenzen, wobei ein Sicherheitsabstand in der Ausdehnung von 1 - 2 qm über dem erkennbaren Befall eingehalten werden muß. Es ist in jedem Fall auch der Verputz vom Mauerwerk zu entfernen um die Ausbreitung festzustellen. In der Regel müssen über den befallenen Kellerräumen die Fußböden und die darunterliegende Auffüllung ausgebaut werden. Sehr oft sind auch Türstöcke und Fensterbänke schon vom Hausschwamm geschädigt, so daß auch diese ausgebaut werden müssen. Das infizierte Material ist besonders vorsichtig und ordnungsgemäß zu entsorgen oder zu verbrennen. Selbstverständlich müssen nach einer solchen Arbeit alle Zugangs-und Transportwege in die Bekämpfungsmaßnahme mit eingezogen werden. Aber es ist kein Sondermüll!
    Nach der Norm und den Richtlinien des Deutschen Holz- und Bautenschutzverbandes sowie dem Merkblatt WTAA (siehe unten) sind anschließend alle Oberflächen des Mauerwerks abzuflammen, d.h. auszubrennen.
    In den Befallbereichen muß das gesamte Mauerwerk durch Anlegen von Bohrlöchern im Abstand von ca. 20 - 25 cm und einer Tiefe von mindestens 4/5 der Mauerdicke (wobei der Bohrlochdurchmesser 15 mm sein soll) durch mehrmaliges Auffüllen mit amtlich zugelassenen bzw. nach "Ral" geprüften Holzschutzmitteln bearbeitet werden. Ebenso müssen die gesamten Oberflächen mit dem zugelassenen Schwammbekämpfungsmitteln im Flut,- oder im Schaumverfahren bearbeitet werden.
    Zum Schluß sei noch bemerkt, daß es neben dem echten Hausschwamm noch andere Schwammarten gibt, insbesondere der gelbrandige Hausschwamm, der balkenbewohnende Hausschwamm sowie der wilde Hausschwamm, der Porenschwamm und der Kellerschwamm. Sie sollen in gleicher Weise wie der echte Hausschwamm bekämpft werden.
    Das neue Merkblatt - Der echte Hausschwamm - Erkennung, Lebensbedingungen, vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen - ist zu beziehen von der WTA- (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsge-meinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.) Geschäftsstelle in:
    80686 München, Edelsbergstr. 8, Tel. 089/57869727; Fax. 089/57869729
    e-mail: wta@wta.de
    Literaturhinweise:
    Dr. Dietger Grosser, Institut für Holzforschung, Universität München:
    "Bautenschutz und Bausanierung", Heft 4/79 - Zerstörer des verbauten Holzes.
    Prof. Dr. rer. nat. Dieter Knöfel:
    Stichwort Holzschutz, Bauverlag GmbH Wiesbaden
    Dr. Frank Preußer:
    Holzschutz - Grundlagen und praktische Probleme "B&B", Heft 2/79.
    Maßgebende DIN-Normen: 68 800, Teil 4; 52 175; Kommentar zur DIN 68800

  19. Oh? Was heißt Meldepflicht?

    Wo muss man das melden? Und welche Konsequenzen hat das?

    Name:

    • Svenja
  20. Meldepflicht besteht nur in einigen Bundesländern

    Wo genau steht beim DHBV siehe Link.
    Außerdem im Merkblatt der WTA

  21. Können Sie mir bitte

    sagen, wo das steht? Und welche Konsequenzen das für uns als Hausbesitzer hat? Ich habe mir die beiden Seiten angesehen, aber nichts dazu gefunden. Eine Suchfunktion haben die dort nicht.

    Name:

    • Svenja
  22. Link zur Meldepflicht

    Hallo Svenja,
    unten nochmal ein Link zur Meldepflicht, diesmal aus den Seiten des geschätzten Kollegen Hans-Joachim Rüpke.
    Der Befall und die ordnungsgemäße Beseiztigung ist beim zuständigen BauOA in manchen Ländern anzumelden.
    Konsequenz ist das Vorhandensein dieser Info in Ihrer Bauakte (manchmal verkaufsmindernd bei späterer Veräußerung), dem statistischen Überblick für die Behörden und dem ordnungsgemäßen Umgang des Hausbesitzer und der beteiligten Firmen mit einem Schadensvorfall der von allgemeinen Interesse ist.
    Wie bei Herrn Bromm ist es auch bei meinen Untersuchungen so gewesen, das ich in mindestens 60% aller untersuchten Häuser Echten Hausschwamm gefunden habe, z. T mit bestehender Gefahr oder vorhandenem Befall der anschließenden Nachbarhäuser.
    Grüße

  23. Noch was Historisches

    Noch ein kleiner Nachtrag: Selbst im Alten Testament gibt es schon Hinweise auf den richtigen Umgang mit dem Echten Hausschwamm, siehe unten genannter Link.

  24. Das Wichtigste wurde gesagt!

    Hr. Malangeri und Hr. Bromm haben Ihnen ja schon ausführlich erläutert, was es mit dem Hausschwamm auf sich hat (sehr kompetent übrigens; Anm.: wie man's gewohnt ist).
    Der Grund, warum ich mich hier einschalte, ist, dass ich noch einmal darauf hinweisen möchte, dass in Ihrem Fall die Ursache der Feuchtigkeit gefunden wird und diese auch kompetent und dauerhaft beseitigt wird!
    Das tatsächliche Ausmaß des Pilzes sieht man häufig erst dann, wenn der Putz abgeschlagen ist und wenn alle Einbauten weg sind.
    Der Rest der zu sagen ist, steht schon in den erwähnten Beiträgen weiter oben.
    Gruß aus Salzburg


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