Sanierung feuchtes Souterrain, Haus von 1958
BAU-Forum: Keller
Sanierung feuchtes Souterrain, Haus von 1958
Wir beabsichtigen ein Haus Baujahr 1958 zu kaufen, Hanglage. Das UGAbk., da Souterrain mit Tageslicht, möchten wir als Wohnfläche nutzen. Das Haus steht bereits seit längerem leer. Bei den Vorbesichtigungen hat sich herausgestellt, dass das Souterrain feucht ist (z.T. Schimmelbildung unter dem Bodenbelag u. an den Wänden etc.), weshalb wir eine Feuchtigkeitsmessung nach dem radiometrischen Messprinzip (Neutronenmessung) durchführen haben lassen, um die Ursache herauszufindenDie Messungen ergaben in allen Räumen zu hohe Feuchtigkeit im Fußboden (3 - 6,5-fach und in der Wand 7-fach über Normal). Die Feuchteverteilung im Fußboden ist entlang der Außenwände und der innenliegenden Wände in den unteren 75 Zentimetern am höchsten. Das Gebäude steht auf Fundamenten und der Boden im Souterrain besteht offensichtlich nur aus einem 6 - 10 cm starken Estrich/Beton, dessen Konsistenz sandig ist. Raumhöhe ca. 2,37. Die Außenwände sind in Betonsteinen erstellt. Informationen über eine Außenwandabdichtung und Drainage liegen nicht vorDie vorhandenen Feuchteschäden resultieren nach Gutachteraussage aus Erdfeuchtigkeit, die durch den Boden und den Querschnitt der 24er und 30 er-Wände und vertikal über die Außenwände in die Kellerräume/Souterrain gelangt. Möglicherweise tritt bei starken Niederschlägen Schichten- und/oder Oberflächenwasser (Schichtenwasser, Oberflächenwasser) in den Keller ein. Um die Nutzung als Wohnraum herzustellen sind nach Gutachtermeinung die folgenden Sanierungsmaßnahmen innen und außen erforderlich:
Innen: Estrich/Beton entfernen, Boden ausheben, herstellen eines neuen Bodenaufbaus inkl. Abdichtung und Wärmedämmung sowie Horizontalabdichtung der Wände. Geschätzte Kosten ca. 47.800 € (netto). (ca. 65 m² Grundfläche)
Außen: Freilegung der Außenwand, Abdichtung, Wärmedämmung, Drainage sowie Verfüllen des Aushub. Ohne die Sanierung der Kelleraußenwand auf der Hangseite wird nach Gutachteraussage der notwendige Wärmedämmfaktor nicht erreicht mit Gefahr von Tauwasser-Bildung und unangenehmem RaumklimaGeschätzte Kosten für die Außensanierung ca. 23.500 € (netto). - Die Kosten für die Außensanierung erscheinen uns ziemlich hoch, da eigentlich nur eine Längswand von 16 m Länge komplett davon betroffen wäre, die andere Längswand würden wir freilegen, um einen ebenerdigen Ausgang in den Garten zu schaffen. Die beiden nur z.T. im Erdreich stehenden Seitenwände sind jeweils nur ca. 6 m langFür uns als Laien klingt das alles recht plausibel, allerdings haben wir auch erfahren, dass beim Thema Feuchtigkeitsbeseitigung viele Wege nach Rom führen, mehr oder weniger lang rsp. kostenintensiv. Wir wüssten daher gerne, wie die hier vertretenen Experten die Situation beurteilen falls das so virtuell überhaupt möglich istMit Ihrer Antwort würde Sie uns sehr helfen.
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Zum ersten kann ich nur empfehlen, wegen der Gesamtproblematik, auf meiner Homepage unter Schriften nachzulesen.
Es ist nicht so einfach, diese Themen alle zu beantwortenSie müssen sich erst ein wenig Schlau machen. Abdichtungsarbeiten: Ist alles, was machbar ist, auch wirklich notwendig?
Vom Sollen und Können des (Ab) Dichtens!
Abdichtungen und Wärmedämmungen - sowohl von außen, als auch im Querschnitt - sind bei Neubauten unerlässlich. Bei Altbauinstandsetzungen sollte zumindest eine Trennung des Wandquerschnitts zwischen Keller und Erdgeschoss gegen aufsteigende Feuchte hergestellt werden, eine Maßnahme, die nicht nur der Optik (Putzschäden) zugute kommt, sondern auch Energie sparen hilft!
Ob ein solches Unterfangen jedoch auch im Kellerbereich eines Gebäudes obligatorisch ist, muss von Fall zu Fall genau geprüft werden.
Bei Abdichtungsplanungen auf dem Gebiet der Altbauinstandsetzung heißt es immer wieder: "Wenn wir schon dabei sind, dann machen wir's doch gleich gescheit". Dann wird der alte (und durchaus nicht immer zutreffende) Spruch zitiert, dass die Ursache für Feuchtigkeit im Keller stets von außen eindringendes Wasser sei. Und so wird fleißig von außen aufgegraben, abgedichtet, wärmegedämmt, geschützt und wieder verfüllt - und dabei eines völlig außer acht gelassen: das Kosten-Nutzen-VerhältnisDenn zunächst bleibt innen der "alte" Zustand bestehen. Es müssen die Oberflächen erneuert werden. Dies bedeutet in der Regel alten salzbelasteten und sehr oft schimmelpilzbefallenen Putz abschlagen und durch Sanierputz ersetzenBei Bauobjekten, in das tatsächlich Wasser von außen eindringt, ist es oft ratsam, an allen eindeutig kritischen Stellen aufzugraben. Außerdem sind alle möglichen Fehlerquellen abzustellen, zum Beispiel: undichte Wasserleitung oder auch ein schadhaftes Regenablaufrohr reparieren aber auch fehlende Wärmedämmungen auszubilden usw. Der Baustoff macht's
Zu unterscheiden ist zunächst, ob ein Gebäude in Ziegelbauweise oder aus Beton gebaut wurde. Im ersten Fall ist zu überprüfen ob jemals zuvor Wasser in den Keller eingedrungen ist und, sollte dies der Fall sein, wie hoch der Wasserstand war und wie hoch der mögliche Grundwasserspiegel ist. Sollte der Grundwasserspiegel in einem kritischen Bereich liegen, ist zu überlegen, ob die Nutzung eines solchen Kellerraums generell eingeschränkt werden mußTrotzdem gibt es Möglichkeiten, selbst solche feuchtigkeitgefährdeten Keller hochwertig zu nutzen - solange einige Schutzmaßnahmen vollzogen werden.
Abdichtungen von innen
Hier bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit einer innenliegenden Drainanlage an, sodass an einer Stelle das Wasser gesammelt und von dort abgepumpt werden kann. (siehe auch: Systembeschreibung für das I-Bau Saniersystem Nr. 13)
Ist in einem Keller zuvor noch nie Wasser eingedrungen, kann davon ausgegangen werden, dass diesbezüglich auch in Zukunft kein ernsthaftes Problem entstehen wird. Dabei ist tatsächlich zu verstehen, dass das Wasser mehrere cm hoch am Boden steht.
Es ist sonderbar, dass zwar immer behauptet wird, Wasser dringt von außen oder von unten ein, aber es kommt zu keiner Überschwemmung oder tritt auch nicht aus der Kellerwand aus. Es läuft auch nicht an der Wand nach untenIch behaupte dann immer: es handelt sich um ein sehr intelligentes oder ängstliches Wasser, das zwar ins Mauerwerk eindringt aber, dann bremst und aufhört zu laufen, sobald es innen ankommt. (Evtl. spielt hier die Angst des freien Fallens oder des "Entdeckt" werden eine Rolle?)
Die Oberflächen solcher Keller können dennoch starke Feuchteschäden aufweisen, was die alte Mär von den ausschließlich von außen eindringendem Wasser herrührenden Feuchteschäden, widerlegt.
Ursache für solche Schäden ist vielmehr die Tatsache, dass die Außenwände von außen nicht ausreichend abgedichtet und /oder wärmegedämmt sind. Wenn es dadurch zu einer Durchfeuchtung des Ziegels kommt, wird die Wärmeleitfähigkeit erhöht - und dann spielt die Tauwasserbildung eine nicht unerhebliche Rolle.
Denn "gute" Wärmeleitfähigkeit bedeutet "schlechte" Wärmedämmung!
Wird die Luftfeuchtigkeit nicht gemindert, führt dies zu einer weiteren Durchfeuchtung und zu einer Verschlimmerung der Schäden, was wir in unserem Artikel "Sinn und Unsinn einer Mauertrockenlegung "klar zum Ausdruck gebracht haben. *Bereits i.d. Süddeutschen Zeitung 1995 (Planen und Bauen) erschienen.
Es ist durchaus möglich, die Feuchtigkeit im Keller durch einen Luftentfeuchter mit ausreichend hoher Kapazität soweit abzusenken, dass eine ausreichende Nutzung der Kellerräume möglich wird.
Eine positive Ergänzung ist die Abdichtung der Außenwände an ihrer Innenseite, sodass die Feuchtigkeitszufuhr durch die Außenwand eingeschränkt wird. Erfahrungsgemäß ist es ausreichend, die Außenmauern und ca. 1,5 bis 2 Meter der einbindenden Zwischenwände abzudichten. Dies kann mit wasserdichten Putzen und mit sogenannten Sanierputzen erreicht werden. Aber auch andere Abdichtungen, wie beispielsweise das I-Bau-System - eine Konstruktion aus einer wasserdichten, dampfundurchlässigen Folie und einem Putzträger sowie einen wärmedämmenden Putz auf der Oberseite -, gewährleisten, dass keine Feuchtigkeit mehr von der Außenseite in den Raum gelangen kannMan ist heute durchaus in der Lage, auch mit anderen Maßnahmen, nur von der Innenseite ausreichend trockene Oberflächen herzustellen, und dies ist in der Regel weitaus kostengünstiger als von außen abzudichtenWas schädigt Baustoffe, Ziegel und Mörtel?
Die Bedenken, dass eine Wand feucht bleibt und Schaden nimmt, wenn sie nur von innen isoliert wird, sind unbegründet!
Denn:- im Erdreich sind Baustoffe in der Regel nicht frostgefährdet,
- sie werden durch Salze nicht geschädigt (diese bleiben in Lösung)
- und sie können nicht faulen - Die Mauern dichten sich zum Teil selbst ab, wenn die Kapillaren mit Wasser gefüllt sindEs gibt auch kein Gesetz, wenn ein Gebäude fünfzig Jahre feucht war, dass durch eine Abdichtung von innen sich das Wasser anschließend einen anderen Weg suchen könnteOb sich somit der arbeits- und kostenaufwendige (arbeitsaufwendige, kostenaufwendige) Einsatz, außen aufzugraben, lohnt, ist äußerst fragwürdigFerner ist zu überlegen welche Probleme zusätzlich auftreten können!
Wie können zum Beispiel:
- Sparten (Gas, Wasser, Strom, Telefon, Fernheizung und dergleichen) verlegt werden?
- Anschlüsse im Bereich der Kommunwände hergestellt werden?
- Anbauten z.B. Eingangspodeste, Treppen abgedichtet und,
- unter Garagen und Begrenzungsmauern etc., die Verbindungen zu den Abdichtungen ergänzt werden?
Ein Beispiel aus der Praxis
Im Münchner Zentrum steht ein Palais aus dem Jahr 1880. Natürlich ist hier alles an Sparten vorhanden, was nur möglich ist; und trotzdem hat man an diesem Gebäude bis auf vier Meter (zum Teil auch tiefer) ringsum aufgegraben. Es mussten neben den Sparten außerdem Provisorien (Abstützungen für das Gerüst und den Baukran etc.) für die Bauzeit geschaffen werden, um die Abdichtungen an der Außenseite ordnungsgemäß anzulegen.
Nach dem Freilegen wurden die Oberflächen gesäubert und erst einmal vorbetoniert. Auf diesen Beton kam eine bituminöse Dickbeschichtung, davor wurden "Schemelsteine" gestellt (ca. 12 cm dicke Betonsteine mit Hohlkammern und Anschlüssen für eine außenliegende Drainanlage). Darauf wurde eine Perimeterdämmung aufgebracht (die Mauerdicke war über 1 bis zu 1,40 Meter) und, nicht genug damit, man hatte noch eine Wellplatte davor gestellt - als Schutz der Wärmedämmung!
Es ist somit absolut sicher, dass dieses Objekt von außen her dicht ist und bleibt. Doch wen wundert es, dass bei einem solchen Aufwand mehr als 150 € (Mietzins im Monat) pro Quadratmeter erforderlich sind, um die Instantsetzungskosten einigermaßen auszugleichen?!
Nur wenige Bauherren könnten sich diese Aktion leisten, die meisten anderen müssten nach kostengünstigeren Alternativen suchenAlles hat jedoch auch eine Kehrseite
Wie verhält es sich mit der Sicherheitsgarantie für die Instandsetzung? Wenn nun zu einem späteren Zeitpunkt aus welchem Grunde auch immer doch ein Wasser- oder Schimmelfleck (Wasserfleck, Schimmelfleck) an der Wand auftaucht - wie würde ein Rechtsstreit enden?
Interessant bleibt auch die Frage, was passiert, wenn der Wasserspiegel ansteigt und so Wasser in das Gebäude eindringtMan hat bei dem Palais in der Münchener Innenstadt auch daran gedacht, eine Abdichtung gegen den ansteigenden Wasserdruck herzustellen, ferner daran, dass man die Außenwände im Keller von unten abdichtet, also auch den Querschnitt der Mauer mit einbindet. Und auch bei dieser Investition wurde nicht gespart: man trug eine mehrlagige Abdichtungsbahn auf. Sollte nun jedoch der Wasserspiegel ansteigen, so müssten auch die dementsprechenden Auflasten eingebracht werden. Das heißt: wenn man davon ausgeht, dass der Wasserspiegel einen Meter über die Kellersohle ansteigen würde, so müsste mindestens eine 50 cm dicke Betonschicht aufgebracht werden, um die Lasten des drückenden Wasser aufzunehmen. Dies allerdings war aus Platzgründen nicht machbar, und so ergibt sich auch hier wieder einmal die Frage, ob das ganze Unterfangen überhaupt sinnvoll und konsequent geplant und durchgeführt worden istEs ist durchaus verständlich, dass Baufirmen heute mehr machen, als unbedingt notwendig ist. Schließlich ist die Gefahr einer Klage wegen Nachlässigkeit sehr groß. Nicht wenige Sachverständige und Rechtsanwälte verdienen sehr gut daran, geringfügige Mängel zu einem "erheblichen Schaden" hochzupuschenEs ist verständlich, dass sich heute niemand mehr traut, irgendwo Einsparungen vorzunehmen, selbst wenn sie auch noch so sinnvoll erscheinen. Jedoch sei die Frage erlaubt, wohin diese Einstellung führen soll. Hätte man im besagten Palais beispielsweise die Abdichtungen- und Wärmedämmungen und sonstiges nur von innen vorgenommen, hätte man möglicherweise eine Sicherheit von "nur" 95 Prozent erzielt, so aber das Drei- bis Vierfache (Dreifache, Vierfache) einer Abdichtungsmaßnahme von der Außenseite eingespart. Die restlichen fünf Prozent hätte man mit Hilfe einer Klimaanlage zur Absenkung der relativen Luftfeuchtigkeit oder auch zur Beheizung der Außenmauer an der Innenseite erzielen können.
Aber es soll ja noch immer Instanzen geben, für die ein paar Tausender nur Peanuts sind ... -
Herzlichen Dank
Herr Bromm für die ausführlichen Erläuterungen. Was ich verstanden habe ist, dass es immer sehr auf den Individualfall ankommt und dass man vor allem in den Fällen, in denen der Keller vor allem Nutzzwecken dient aufpassen sollte, nicht zu viel des Guten zu tun. Was ich, so hoffe ich zumindest, auch richtig herausgelesen habe ist, dass in den Fällen, in denen das Untergeschoss Wohnzwecken dienen soll (den Fall hätten wir hier, da das Haus sonst für uns zu klein ist), ein horizontale Abdichtung und auch eine Wärmedämmung unerlässlich ist. Nochmals herzlichen Dank für die AusführlichkeitTP
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