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Dach

Flachdachkonstruktion zum 100sten

Hallo liebe Forengemeinde,
habe die Suchfunktion genutzt und mir stundenlang mit großem Interesse diverse Beiträge zum Thema Flachdachkonstruktion durchgelesen. Trotzdem muß ich einen neuen Thread starten, bin mir einfach unsicher ob meine Planung i.O. ist oder irgendwelche Änderungen notwendig sind.
Ich lasse derzeit umfangreiche Modernisierungen an meinem Haus durchführen. Zusätzlich soll ein Flachdachanbau entstehen, an drei Seiten wird dieser verglast, die Decke soll gleichzeitig eine Dachterrasse für das 1. OGA tragen.
Mein Architekt (mit dem ich bisher auch sehr zufrieden bin) hat mir nun die Detailpläne für den Anbau zukommen lassen und ich bekomme etwas kalte Füße bei der Dachkonstruktion. Der Architekt plant eine Konstruktion ganz ohne Gefälle. Begründet wird dies, daß bei einem wirksamen Gefälle die Deckenhöhe im Anbau nicht mehr ausreichend wäre. Ich habe gelernt, daß es sich bei diesem Design um eine Sonderkonstruktion handelt und würde deshalb gerne den gesamten Aufbau von Euch beurteilen lassen:
Dachfläche ca. 30 m2, ca. 6 m Kontaktlänge zum Hausbestand.
Dachkonstruktion von innen nach außen:

  • Gipskarton incl. Unterkonstruktion
  • Dampfsperre
  • 2 cm Hartschaum WDA als Entkopplung
  • 16 cm Mineralfaser zwischen 160 mm H-Stahlträgern

- "Kaufmann-Platte" 50 mm (weiß irgendjemand was das ist?)

  • Abdichtung (nicht genauer spezifiziert)
  • Kiesbett 4 cm
  • Bankirai Unterkonstruktion 4x6 cm
  • Bankirai Dielen 28 mm als Terrassenboden

Um auf die Durchsprache mit dem Architekten vorbereitet zu sein hätte ich noch ein paar Fragen:

  • Sieht der Aufbau insgesamt sinnvoll aus?
  • Hat jemand Ansätze, wie man die Decke etwas dünner machen könnte (wg. Deckenhöhe im Raum darunter)
  • Wie muß die bestmögliche Abdichtung aussehen, wenn möglich mit Empfehlung für Hersteller und Typ.

Vielleicht sollte ich noch anmerken, daß ich keine Billiglösung suche, sondern ein technisch gutes, langfristig dichtes und problemloses Dach incl. zugehöriger Terrasse haben möchte.
Bin für jede Anregung oder Kommentare dankbar.
Vielen Dank im voraus.
Thomas

Name:

  • Thomas
  1. HExx..

    Werter Fragesteller
    also Stahlträger mit 2 cm Dämmung von unten sind eine Kältbrücke erster Güte. Und eine Raumgrösse von 5*6 sollte auch mit anderen Trägern der Höhe 16 cm zu überspannen sein. Problematisch wird auch der Einbau von Dampfsperre und Unterkonstruktion für GK.
    Wenn das Dach selbst wg. Eigenhöhe und lichter Raumhöhe kein Gefälle bekommen kann, sollte über eine Gefälledämmung zwischen Dach und Abdichtung nachgedacht werden.
    Wozu ein Kiesbett 4 cm. Bankirai lässt sich auch anders verlegen als im Kiesbett und Kiesbetten haben die unangenehme Eigenschaft, zu verschlammen. Ausserdem brauchen Sie am Einlauf Kiesfänge, sonst spült der Kies in die Kanalisation.
    Und echte Flachdächer sind immer mit Pfützen verbunden.
    Als Fazit bleibt für mich, kann man machen, muss man aber nicht.

  2. ganz einfach ..

    .. weil, wenn´s komplizierter wäre, würde der architekt vorschlagen,
    fachleute für abdichtung (dachdecker/sv) und tragwerksplanung beizuziehen.
    ohne die musst du dich halt auf deinen architekten verlassen.
    kaufmannplatte - wird wohl holz-mehrschichtplatte sein. das produkt an sich
    ist gut und kann nix für eine innovative lösung ;-))
    ich würd´den ganzen aufbau umkrempeln - "kann man machen, muss man
    aber nicht" ist nett ausgedrückt ;-)
    anhand der kurzbeschreibung seh ich als hauptaufgabe, einen "gequetschten"
    aufbau hinzutrimmen (also wenig konstruktionshöhe).
    momentan brauchst du 5+16+3(latten, irgendwie..)+1 = 25 cm, für tragwerk +
    dämmung + innenansicht. das ist (auch bei wärmebrückenvermeidung)
    locker zu unterbieten.
    zum thema kies + bangkirai meldet sich hoffentlich ein dachdecker :-)

  3. melde mich zum

    dichten:)....
    Für die Abdichtung bei Sonderkonstruktion kommt eine 2-lag.
    Polymerbitumen Ausführung oder eine Hochpolymere Dachabdichtung ( Folie, bei Nutzung ab 1,8 mm) in Frage. Die Kiesfläche wird bei Sonderkonstruktionen empfohlen, um z.B. eine Eisschubbildung zu verhindern. Nur, wenn man sich den Kies einspart, gewinnt man wieder Höhe für z.B. Gefälle.
    mfGrüsse

  4. Flachdach zum 101sten

    Hallo liebe Ratgeber,
    da war mein erster Eindruck wohl doch korrekt, Bauforum sei dank bekommt manchmal auch der unbedarfte Bauherr ein gewisses Gefühl für gute oder schlechte Lösungen... Der Vorschlag meines Architekten scheint wirklich nicht die optimale Lösung darzustellen.
    Könnte einer der Spezialisten evtl. einen groben Vorschlag für einen besseren Aufbau machen? Es ist mir völlig klar, daß dies in einem Forum ohne Wissen der Hausdetails schwierig ist, aber vielleicht kommen ja doch einige wertvolle Hinweise. Ich würde nur ungern zu meinem Architekten gehen und ihn auffordern, einen Fachplaner hinzuzuziehen, wenn ich nur ein paar Kritikpunkte, aber keine Idee für Lösungsansätze in der Hand habe.
    Nochmals kurz ein paar Randbedingungen:

    • Oberkante Dachbelag ist über Terassentür 1. OGA festgelegt.
    • Dach muß wegen Nutzung als Dachterasse wie gesagt begehbar sein, als Bodenbelag ist Bankirai erwünscht, vielleicht hat man ja auch hier bei der Dicke der Unterkonstruktion Spielmöglichkeiten.
    • Unterkante Dachkonstruktion ergibt verfügbare Raumhöhe, wobei immer noch die Möglichkeit besteht, den Anbau eine Trittstufe gegenüber dem Bestand tieferzusetzen. Damit wären wieder diverse Zentimeter gewonnen. Trotzdem ist eine "schlanke Konstruktion" wünschenswert.
    • Wenn irgendjemand eine Lösung findet, bei welcher bei den genannten Limitierungen noch immer ein leichtes Gefälle möglich ist, dann ist derjenige für mich der König. Ich habe einfach immer noch Angst, daß ich bei dauernd stehendem Wasser doch irgendwann eine Dusche auf mein schütteres Haar bekomme....
    • Maximale Spannweite der Tragkonstruktion ist senkrecht zur Hausfläche ca. 5,5 m, parall zum Haus 4,3 m.
    • Statiker war angeblich involviert, habe aber aufgrund der aktuellen Dimensionierung etwas Zweifel...

    So, nochmals viel Text, aber wie gesehen war es wohl kein Fehler, sich an die Experten zu wenden.
    Bedanke mich nochmals im voraus für jede weitere Hilfe oder Kommentare.
    Viele Grüße
    Thomas

  5. Vorschlag..

    Von innen
    GK + Unterkonstruktion 4 cm
    14 cm BSH voll ausgedämmt
    OSBA Platte
    Gefälledämmung 4 - 11 cm, Grat mittig und Gefälle zu beiden Seiten
    sind bei Entfall der Kiesschicht ca. 2 cm mehr als derzeit.

  6. Flachdach zum 101sten

    Hallo liebe Ratgeber,
    da war mein erster Eindruck wohl doch korrekt, Bauforum sei dank bekommt manchmal auch der unbedarfte Bauherr ein gewisses Gefühl für gute oder schlechte Lösungen... Der Vorschlag meines Architekten scheint wirklich nicht die optimale Lösung darzustellen.
    Könnte einer der Spezialisten evtl. einen groben Vorschlag für einen besseren Aufbau machen? Es ist mir völlig klar, daß dies in einem Forum ohne Wissen der Hausdetails schwierig ist, aber vielleicht kommen ja doch einige wertvolle Hinweise. Ich würde nur ungern zu meinem Architekten gehen und ihn auffordern, einen Fachplaner hinzuzuziehen, wenn ich nur ein paar Kritikpunkte, aber keine Idee für Lösungsansätze in der Hand habe.
    Nochmals kurz ein paar Randbedingungen:

    • Oberkante Dachbelag ist über Terassentür 1. OGA festgelegt.
    • Dach muß wegen Nutzung als Dachterasse wie gesagt begehbar sein, als Bodenbelag ist Bankirai erwünscht, vielleicht hat man ja auch hier bei der Dicke der Unterkonstruktion Spielmöglichkeiten.
    • Unterkante Dachkonstruktion ergibt verfügbare Raumhöhe, wobei immer noch die Möglichkeit besteht, den Anbau eine Trittstufe gegenüber dem Bestand tieferzusetzen. Damit wären wieder diverse Zentimeter gewonnen. Trotzdem ist eine "schlanke Konstruktion" wünschenswert.
    • Wenn irgendjemand eine Lösung findet, bei welcher bei den genannten Limitierungen noch immer ein leichtes Gefälle möglich ist, dann ist derjenige für mich der König. Ich habe einfach immer noch Angst, daß ich bei dauernd stehendem Wasser doch irgendwann eine Dusche auf mein schütteres Haar bekomme....
    • Maximale Spannweite der Tragkonstruktion ist senkrecht zur Hausfläche ca. 5,5 m, parall zum Haus 4,3 m.
    • Statiker war angeblich involviert, habe aber aufgrund der aktuellen Dimensionierung etwas Zweifel...

    So, nochmals viel Text, aber wie gesehen war es wohl kein Fehler, sich an die Experten zu wenden.
    Bedanke mich nochmals im voraus für jede weitere Hilfe oder Kommentare.
    Viele Grüße
    Thomas

  7. Crossposting

    Werter Fragesteller
    Bin bei meinem Vorschlag von 6 m Gebäudebreite ausgegangen.
    Bei 4,30 m hat die Gefälledämmung 4 - 9 cm (bei 2,2% Gefälle), dann klappts auch mit der Höhe!

  8. Ich würde Ihnen

    auch eine Holzkonstrukton wie sie Herr Dühlmeyer beschrieben hat empfehlen (leicht, aber u. U. schwingungsempfindlich), darauf eine hochwertige, PVC-freie Folienabdichtung (z. B. von Sarnafil, Alwitra oder Wolfin) auf Trennvlies. Diese Bahnen können problemlos auch ohne Gefälle verlegt werden. Darauf eine Drainmatte aus der Dachbegrünung (Noppenbahn mit Vlies). Die Drainlage ist nach DINA 18195 T5 notwendig (insbesondere bei Belag mit Splittbett), entspannt den Wasserdruck auf die Abdichtung und schützt sie dauerhaft. Mit diesem Aufbau dürften Sie mit ordentlich geplanten An- und Abschlüssen und einer handwerklich einwandfreien Ausführung auf Dauer keine Probleme haben.
    Schöne Grüße aus Bochum

  9. @ Hr. Krause

    Werter Herr Krause
    Welche Drainlage darf auf einem Dach ohne Eigengefälle verlegt werden. Ich kenne hier kein Produkt.

  10. @ Alle + Herrn Ibold

    Hallo,
    ganz vielen, vielen Dank an alle die sich so konstruktiv an der Diskussion um den Aufbau meines Flachdachanbaus beteiligt haben.
    Ich denke, daß ich mich jetzt halbwegs qualifiziert mit meinem Architekten unterhalten kann.
    Aber es fehlt mir trotzdem noch ein kleiner Schritt zur Glückseeligkeit.....
    Herr Ibold: Nach dem Lesen von hunderten Beiträgen in diesem hervorragenden Forum bin ich zum Schluß gekommen, daß Sie wohl der unangefochtene Dachguru sind. Könnten Sie evtl. auch noch Ihre Meinung zum derzeit geplanten Aufbau bzw. zu Verbesserungsmöglichkeiten machen? Insbesondere die Frage zum optimalen Aufbau der Bankirai-Terrasse auf der Abdichtung mit oder ohne Kiesschüttung ist für mich noch immer unklar.
    Alle anderen Ratgebenden bitte ich, meine Bitte an Herrn Ibold nicht als Misstrauen zu bewerten. Ich habe im Moment leider ein gesteigertes Informationsbedürfnis.... Gerne dürfen sich natürlich auch weiterhin alle anderen beteiligen.
    Vielen Dank!
    Thomas

    Name:

    • Thomas
  11. *rotwerd*

    Moin,
    ich würde, so es irgend geht, die Stahlkonstruktion durch Holzleimbinder ersetzen wollen. Damit minimiere ich die Wärmebrücke, die bei Ihnen schick ausgebildet würde.
    Wenn es denn eine Sperrholzplatte ist, (ich kenne den Begriff "Kaufmannplatte" nicht, würde ich die ersetzen durch eine Rauspundschalung mit mind. 24 mm. Großformatige Platten haben mir zuviel Längenänderungen.
    Als Abdichtung würde ich persönlich keine Folien verwenden wollen, weil die einfach dünner sind als bituminöse Abdichtungen, die bei 2-lagiger Verlegung (Trennlagen zählen nicht als Lage der Abdichtung) immerhin etwa 9 mm dick sind, Folien aber max. 2 mm.
    Hier kann eine Gummigranulatmatte mit einer Dicke von 6 mm als Schutz aufgebracht werden.
    Ich weiß nicht, ob Splitt unter dem Belag Sinn macht. Durch die recht geringen Auflageflächen könnte ich mir vorstellen, daß sich der Splitt im Laufe der Zeit unter den Lagerhölzern wegschubbert. Und der Splitt kann verunreinigen, was dann wieder einen schlechteren Wasserablauf zur Folge hätte.
    Auch mit einem Gefälle von 2% kann stehendes Wasser nicht verhindert werden. Deshalb sollte man den Belag vielleicht etwas aufständern. Bei einer Ausbildung als kleines Satteldach wäre die Firsthöhe bei 2% Gefälle 6 cm höher als die Traufe. Durch Einsparen des Splittbelages und der dicken Kaufmannplatte sollte man das doch hinkriegen?
    Wegen der Stahlträger mal mit dem Statiker sprechen.
    Grüße
    stefan ibold

  12. Jau Stefan

    Genau so hatte ich mir das gedacht! Obwohl (auch wenn ich jetzt einen Glaubenskrieg auslöse) mir bei so geringem Gefälle die Folien wg der geringeren Nahthöhen lieber sind ;-).
    Zum Bankirai 3 mögliche Lösungen
    Balken auf Mörtelsäckchen auflegen - einfach und preiswert, aber nicht ganz so dauerhaft
    Auflagerbalken mit dem Gefälle verlegen und keilig schneiden - aufwendig besonders im Bereich der Nähte
    Auflagerbalken mit unterschiedlich dicken Hölzern unterfüttern - mittlerer Aufwand, aber je nach Nutzung evtl hohe Punktlasten
    In jedem Fall gehören unter die Auflagen Gummischrotmatten > 1 cm
    Bei Lösung 1 und 3 kann man die First mittig zwischen zwei Balken legen und noch mal ein paar mm holen. Das Wasser kann ja zwischen den Punktlagern durchlaufen.

  13. Herr Dühlmeyer,

    lt. DINA 18195 muss bei genutzten horizontal abgedichteten Flächen (Dachterrassen etc.) eine Dränschicht angeordnet werden, falls dass Schüttgut einen Durchlässigkeitsbeiwert k < 10-4 m/s hat. Nachgewiesenerweise erreicht ein Splittbett o. ä. nur einen Bruchteil des geforderten Wertes. Eine Dränlage des Dachbegrünungsspezialaisten ZinCo, aus 10 mm Noppen mit Vlies hat sich bewährt (z. B. ZinCo Dränagebahn "DBV 12"). Der horizontale Einbau ist unproblematisch.
    Schöne Grüße aus Bochum


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