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Dach

Wärmedämmung 2-3 cm dicker als Sparrenbreite.

Liebe Experten, wir haben in unserem fertig bezogenen Neubau ein Problem mit dem Aufbau der Wärmedämmung im Dach und würden sehr gern einmal einen weiteren Rat hören. Wir haben ein Krüppelwalmdach, die Sparren sind 17 bis 18 cm breit. Es wurde hier jedoch eine 20 cm dicke Mineralwolldämmung eingebracht. Da sich diese im Bereich der Dachschrägen schlecht in Richtung der Rigipsplatten ausdehnen kann, drückt sie die Unterspannbahn von unten gegen die Dachziegel. Es fehlt daher dort die Hinterlüftung. Der von uns beauftragte Gutachter hat uns eine der beiden folgenden Möglichkeiten empfohlen. Entweder das Dach abdecken, alle Sparren um 3 cm aufdoppeln und das Dach wieder aufdecken. Oder die Rigipsplatten von innen entfernen und die Sparren von innen aufdoppeln. Letzteres geht schlecht ohne eine wesentliche Beeinträchtigung der Bewohnbarkeit und geht aus Platzgründen auch auf einer Dachseite gar nicht. Die Türen würden dann nämlich nicht mehr aufgehen, weil nur noch 0,5 cm Platz zwischen Oberkante Türblatt und Dachschräge bestehen (Abstellräume). Das Abdecken des gesamten Daches und Aufdoppeln der Sparren von außen wäre eine sehr kostenintensive Lösung, die der Bauunternehmer freiwillig trotz vorliegenden Gutachtens nicht mitmacht. Es würden die Gaubenanschlüsse, die Dachüberstände und die Dachrinnen ja auch gar nicht mehr passen. Ein Rechtsstreit wäre aus unserer Sicht kein wünschenswerter Weg, da sich das ja bekanntlich sehr lange hinziehen kann und bestimmt auch nicht glücklich macht. Da wir leider fast alles bezahlt haben, wäre der Rechtsstreit aber die einzige Möglichkeit, den BU zu dieser aufwändigen Lösung zu zwingen.
Der Bauunternehmer schlägt nun vor, jeweils zwischen zwei Sparren eine Reihe Dachziegel von oben bis unten abzudecken, Er will dann jeweils eine Latte dort einbringen, die die Unterspannbahn mit Dämmung zusammenpresst und so eine Hinterlüftung des Daches erreichen.
Unsere Frage nun: Wäre das aus Expertensicht eine Lösung, mit der man eventuell leben könnte, wenn sie auch handwerklich etwas fragwürdig ist?
Wir bedanken uns für Antworten im voraus.
Jens Wilharm

Name:

  • Dr. Jens Wilharm
  1. das hängt...

    Moin,
    ...von mehreren Faktoren ab.
    1. Es sollte schon eine gute Unterdeckbahn sein, damit die das auf die Dauer mitmacht.
    2.Was steht denn in dem Wärmebedarfsausweis oder Energiepass? Denn eine 20 cm dicke Dämmung auf 160 mm zusammengedrückt wirkt halt nur auf 160 mm.
    3. Die Latte könnte wenn überhaupt nur über den Bereich des Firstes eingebracht werden. Sind Kehlen vorhanden, dann wird das kaum funzen.
    Nachfrage: Wer hat denn da gepennt? Wie doof sind eigentlich solche Leute, die sowas nicht vorher merken?
    Grüße
    stefan ibold

  2. Moin Hm was das genau für eine Unterspannbahn ...

    Moin. Hm, was das genau für eine Unterspannbahn ist, weiß ich nicht. Sie ist schwarz und soweit ich weiß diffusionsoffen. Ich gehe nachher mal auf den Spitzboden und schaue nach, ob es einen Aufdruck gibt.
    Kehlen besitzt das Dach nicht. Es sind 2 betroffene Dachflächen, eine nach Osten und eine nach Westen. Allerdings haben wir auf der Ostseite 3 Dachflächenfenster und auf der Westseite eine 5'er-Gaube.
    Gepennt hat eindeutig der Bauunternehmer. Ich würde sogar sagen, er hat es bewußt so gemacht. Bei der Bauabnahme hat er gesagt, er hätte uns gefragt, ob wir 16 cm oder 20 cm Dämmung haben wollten. Da haben wir uns natürlich für die Mehr-Dämmung entschieden. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir darauf hingewiesen wurden, dass dies zu Problemen führen könnte. Die Dämmung haben die eigenen Leute des Bauunternehmers eingebracht, nicht die Dachdecker.
    Einen Energiebedarfsausweis oder soetwas haben wir nicht. Wir haben auch unsere Bauunterlagen noch nicht bekommen. Ebenso liegt uns mittlerweile 2 Monate nach der Bauabnahme noch nicht einmal das Bauabnahmeprotokoll vor. Es herrscht einfach Schweigen im Walde. Trotz mehrfacher schriftlicher Bitte, uns das Protokoll zu geben sowie uns mitzuteilen, wie die festgestellten Mängel behoben werden sollen und wann damit begonnen werden soll. Leider haben wir nur noch etwa Rechnungen in Höhe von 7.000,- EUR offen und das Dachproblem ist nur einer von vielen Mängeln. Allerdings für mich der Wichtigste.
    Es gibt wohl eine Wärmeschutzberechnung. In der sind 20 cm Dämmung ausgewiesen.
    Natürlich ist das alles so nicht in Ordnung. Mit der geringeren Dämmwirkung und den damit verbundenen höheren Energiekosten könnte ich aber leben, wenn die vorgeschlagene Maßnahme wenigstens dazu führen würde, dass ich nicht doch irgendwann mit Schimmelbildung wegen fehlender Hinterlüftung zu tun bekomme. Die Zimmer nach Westen, in denen sich die betroffenen Dachschrägen befinden, sind unsere Kinderzimmer und da möchte ich nicht, dass es hinter den Rigipsplatten anfängt zu schimmeln.
    Grüße
    Jens Wilharm

    Name:

    • Jens Wilharm
  3. schimmel nicht das problem

    Moin,
    Schimmel ist nicht das Problem. Der würde dann entstehen, wenn die Luftdichtigkeit nicht gegeben ist. Ist ein blower-door-test gemacht oder vereinbart worden?
    Wir stellen einmal fest: es ist nicht gem. den Fachregeln des DDH ausgeführt.
    Was kann passieren?
    unter die Eindeckung gelangtes Niederschlagswasser wird nicht in die Sparrenfeldmitte abgeleitet sondern zum Sparren oder der Konterlattung, wo es zu Schäden führen KANN.
    Hierbei spielt die Dachneigung eine wesentliche Rolle und die Art der Eindeckung.
    Bei lang anhaltender Feuchtigkeit innerhalb der oberen Konstruktion KANN es dann aber doch zu Schimmelerscheinungen kommen. Allerdings werden die innen keine Probleme bereiten.
    Es KANN unter bestimmten Umständen zu Frostproblemen an der Unterseite der Eindeckung kommen.
    Wenn in Ihren Unterlagen von 200 mm dicker Dämmung die Rede ist, der BT aber nur 160 mm Sparren eingebaut hat, dann wußte er von den Problemen, denn sonst wäre er nicht auf Sie zugekomen und hätte scheinheilig gefragt. So will er sich rausreden und erklären: Wieso ich? Die BH wollten doch die dickere Dämmung.
    In meinen Augen könnte das Vorsatz sein :(
    Wer hat eigentlich die Unverhältnismäßigkeit festgestellt?
    Grüße
    stefan ibold

  4. Dachneigung

    Hallo,
    das hört sich ja schon fast ermutigend an, wenn es nicht insgesamt so traurig wäre. Also unsere Dachneigung beträgt 42 Grad. Die Eindeckung ist erfolgt mit einer Rupp bzw. Braas Westfalica Tonpfanne.
    Die Unverhältnismäßigkeit hat ein Bausachverständiger festgestellt, den wir kurz vor der Bauabnahme gebeten hatten, unseren Bau zu begutachten. Er hat sich zunächst die Wärmeschutzberechnung angeschaut und dann bei Begehung des Spitzbodenes festgestellt, dass die Sparren mit 17 cm um 3 cm schmaler sind als die eingebrachte Dämmung. Nebenbei hat er auch noch einige andere Ungereimtheiten in der Wärmeschutzberechnung festgestellt, wie z.B. zu hoch angegebene Dämmwerte für die Zwischenmauerwerks-Dämmung sowie die Berücksichtigung der Dämmwerte von nicht vorhandenen Teppichböden.
    Man kann auf dem Spitzboden auch sehen, dass die Dämmung die Unterspannbahn von unten gegen die Dachpfannen drückt. Gedämmt ist nämlich nicht das gesamte Dach, sondern nur der Teil im Bereich des Dachgeschosses sowie die Dachgeschossdecke. Der Spitzboden ist ungedämmt und man kann am Rande des Spitzbodens auf die Dämmung schauen,
    Einen blower-door Test oder soetwas hat es nicht gegeben. Ich kann also nicht sagen, ob die Dichtigkeit gegeben ist. Wir haben mit einem kleinen ortsansässigen (alteingesessenen) Bauunternehmen gebaut. Da sind solche Tests im Ggs. zu den großen überregionalen Unternehmen (wie Heinz von Heiden etc.) vielleicht nicht gerade üblich. Wir hatten nicht einmal einen Vertrag, sondern es wurde auf Basis eines Angebots gearbeitet.
    Grüße
    Jens Wilharm

  5. Ich stimme meinem Vorredner zu,

    dass der Schimmel wohl kein Problem sein wird, wenn die Konstruktion insgesamt ok ist. Der Aufbau mit reduzierter Luftschicht könnte auch ohne Probleme funktionieren, denn ähnliche Querschnitte gibt es auch bei anderen Bauteilen (z. B. Holzständerwand ohne Hinterlüftung), es muss nur der entsprechende bauphsyikalische Nachweis erbracht werden. Aber auch wenn der Nachweis gelingt, entspricht die Ausführung nicht den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks. Die Wasserführung könnte problemtisch sein. Je nach Neigung kann Wasser oder Flugschnee unter die Pfannen gelangen, bzw. Kondenswasser von der Rückseite der Pfannen abtropfen. Ohne Latten zwischen den Sparren würde diese Wasser immer zu den Nagelpunkten auf den Sparren geführt (durch die Wölbung). Insofern ist die Idee mit den Latten schon sinnvoll, nur sollten sie nicht aus Holz, sondern aus ALU o. ä. bestehen, damit es auf lange Sicht keine Verrottungsprobleme gibt. Wenn lt. Wärmeschutznachweis rechnerisch 4 cm fehlen, sollte man über Kompensationsmaßnahmen nachdenken.
    Schöne Grüße aus Bochum

  6. Ein Punkt wurde vergessen.

    Dachziegelhersteller gewähren nur Garantie bei regelgerechter Eindeckung. D.h. eine funktionierende Hinterlüftung der Dachziegel
    ist unbedingt herzustellen.


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