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Kamin und Kachelofen

Grundofen-Selbstbau. Wer hat das schon hinter sich?

Hallo! Habe vor, in unserem Wohnzimmer einen Lehm-Grundofen völlig selbst - ohne Bausatz - zu bauen: Brennraum mit Schamotte, Züge mit rechteckigen Kaminrohren, und das ganze in erster Linie mit Lehm verbunden. Vorgespräch mit Schornsteinfeger hat stattgefunden. Bin zwar kein absoluter Anfänger und hab durch ein Seminar schon klare Vorstellungen (Dimensionierung), wie das anzugehen ist und wie er werden soll. Dennoch: Wer hat sowas schon hinter sich (wie z.B. mit Bausatz von Fa. Lieb) und teilt mir seine Erfahrungen mit? Ich muß das Rad ja nich noch mal selbst neu erfinden... Danke!

Name:

  • Jörn
  1. Biofire Grundofen

    Hallo
    Ich habe einen Biofire-Grundofen (Bausatz) selbstgebaut (ca. 6 KWA). Der Aufwand ist erheblich aber ich würde es jederzeit wieder machen. Man sollte allerdings einen guten Berater haben (vorzugsweise Kachelofenbauer) der einem mit Rat und Tat zur Seite steht und ab und zu mal nach dem Rechten schaut. Denn ist der Ofen einmal zugemauert und haben sich konstruktive oder handwerkliche Fehler eingeschlichen dann wird es kompliziert oder gar gefährlich.
    Eine solche nachweisbare Beratung und Aufsicht hilft auch bei der Abnahme durch den Schornsteinfeger.
    Von einem kompletten Selbstbau würde ich die Finger lassen, da dafür sehr viel Erfahrung von der Dimensionierung der Züge bis zur handwerklichen Ausführung vorhanden sein muß (und alles steht nicht in Büchern, manche Probleme erkennt man gar nicht und Erfahrung ist durch keine Formelrechnung zu ersetzen)
    Einen Biofire-Ofen haben wir gewählt, da die Schamottsteine unter besonders hohem Druck gepresst wurden und zudem sehr kleinformatig mit Nut und Federn ausgestattet sind. Dieses System ist nicht nur praktisch für den Aufbau sondern beugt auch Fehlern durch Undichtigkeiten vor. Der Ofen ist auch für Kohle geeignet (mit alternativ einlegbarem Rost und Aschekasten, so daß er mit Holz gefeuert wahrscheinlich ewig hält). Der Aschenkasten hat sich als sehr praktisch für die Reinigung erwiesen. Das hat ssich eher so ergeben, da ich eigentlich einen reinen Grundofen haben wollte - aber der Kombinationsofen war ein Schnäppchen und man hat da beides. Den Außenmantel haben wir auf der Sichtseite mit Kacheln ausgeführt und zu den Wänden hin mit Schamott der Weiß verputzt ist.
    V.a. sollte man vorher abwägen ob man nicht eventuell eine Backröhre mit einbaut. Ich habe mich dagegen entschieden, weil man im Grundofen ohnehin Brot backen kann. Allerdings bereue ich das schon einwenig, denn da ist ja auch die Asche und die muß vorher weg. Ein integrierter Backraum wäre da praktischer und hätte beim Aufbau keinen großen Mehraufwand bedeutet. Desweiteren würde ich heute ein Nachheizregister zur direkten Wärmeabgabe beim Anfeuern anbauen, sonst geht viel Energie im Schornstein verloren und es dauert auch ca. 2h bis der Ofen warm wird.
    Wichtig ist ohnehin die Dimensionierung des Ofens, was die Speichermasse angeht, denn da entscheidet sich ja wie oft man nachfeueren muß und wie hoch die Oberflächentemperaturen des Ofens werden. Da sollte man sich eingehend beraten lassen und auch an seine Gewohnheiten denken. Unser Ofen wird zweimal am Tag gefeuert und damit hat es sich.

  2. Kohle heizen?

    Man kann einen Ofen für Kohle bauen oder für Holz. Beides zusammen kann nur eine Krücke sein. Holz ist ein schnell brennender langflammiger Brennstoff. die erzeugte Wärme wird im Schamotteausbau (keram. Zug) gespeichert und anhaltend abgegeben. Kohle ist ein langsambrennender, kurzflammiger Brennstoff. Die Wärmespeicherung erfolgt im Glutbett. Mit einem Kohledofen können sie also einen langen (für Holz gebauten Zug) nicht heizen. Also entweder oder. Aber im richtigen Kachelofen brennt immer Holz. Einen Rost brauchen Sie dabei nicht.

  3. Warum keinen Rost?

    Ich habe vor mehr als 10 Jahren 2 Öfen selbst entworfen und gebaut (das nötige Wissen stammt aus Fachbüchern). Einer war ein schwerer gemauerter Ofen mit 4 stehenden und 2 liegenden Zügen (für diese beiden letzten Züge verwendete ich Kaminrohre), der andere ein leichter freistehender Kachelofen mit Schamotteausmauerung aber einschalig. Bei beiden Öfen wurde ein Rost vorgesehen und in beiden wurde anfangs auch Kohle (sogar die flammlose Anthrazit) verschürt. Als dann später nur noch mit Holz geheizt wurde, deckte ich den Rost mit einer Schamotteplatte ab. Da das Heizen auch mit Holz jedoch wesenlich einfacher mit Rost war, wurden diese Platten nach einem Winter wieder entfernt.
    Übrigens kann in einem gemauerten Ofen, der ja in der Regel einen großen Feuerraum besitzt, selbstverständlich mit Kohle geheizt werden. Da die Kohlenglut ausreichend Abstand zu den Wänden hat, trat bei meinen Öfen nie eine Überhitzung der Schamottesteine auf. Durch den Zug der Abgase heizt sich der komplette Ofen auf.
    Bei meinen Öfen zeigt sich, daß für die Abstimmung von Rostfläche, Zugquerschnitte und Ofenrohrquerschnitt (falls vorhanden) auch heute noch die Regeln aus Lehrbüchern gelten. Wenn man die absurd großen Querschnitte der heute üblichen Ofenrohre sieht, könnte man allerdings das Gegenteil denken.
    Zur eigentlichen Frage von Jörn:
    Ich würde auf jeden Fall wieder einen kompletten Eigenbau wagen, da meine Erfahrungen sehr positiv waren und ich sehr viel Freude an den Öfen hatte (das Haus, zusammen mit den Öfen, wurde vor ein paar Jahren verkauft, aber ich bin sicher, der jetzige Besitzer ist immer noch mit den Öfen zufrieden). Wichtig ist nur, daß man sich genügend Wissen anliest und nichts macht, was man nicht versteht.
    Der Aufbau des Ofens aus Standard-Schamotteformaten erfordert allerdings viel Zeit, da sehr viel geschnitten und geschliffen werden muß.
    Und wenn man schon durch Selbstbau Geld spart, dann sollte man kein südteures Ofengeschränk kaufen, sondern für ein paar Mark (oder wenns nicht anders geht Euro) einen gebrauchten Kachelofeneinsatz kaufen und diesen zerlegen. Man kann nicht nur die Front mit den Türen, sondern eventuell auch die GUAßplatten verwenden.

    Name:

    • Manfred Weigl
  4. @Hr. Weigl

    Warum heißt ein Grundofen wohl Grundofen? Antwort: ..., weil kein Rost da ist :-))

    Name:

    • einheizer
  5. Grundofen

    Der sehr informative Beitrag des einheizers erklärt trotzdem nicht so direkt, warum es besser ist ohne Rost zu heizen.
    Die Bezeichnung Grundofen sagt heutzutage nicht mehr viel, da sogar große Firmen diesen Ausdruck für Öfen ohne Heizeinsatz aber mit Rost verwenden. Da ich aber die Meinung des einheizers teile, werde ich meine Frage in "warum reinen Grundofen" ändern.
    (warum kommen eigentlich die miesesten Beiträge immer ohne Namen?)

    Name:

    • Manfred Weigl
  6. Prometheus Grundofenbausatz

    Meiner Meinung nach ist dieser Bausatz bestens für den Eigenbau geeignet. Computerberechneter Feuerraum und Züge, der Speicherkern wird an der Baustelle nach einem einfachen Plan erstellt. Trotzdem würde ich den Speicherkern sowie Rauchrohranschluß von einem Prometheus Ofenbauer durchführen lassen. Dies verursacht nur geringe Kosten, Sie haben jedoch die Gewährleistung des Herstellers. Die Rath-Schamotte werden in Nut und Feder gesetzt, mit Lehmmörtel verbunden. Die Wärmebedingte Ausdehnung wird nicht auf die Außenmauer übertragen. Ein unbedingtes muß um eine lange Lebensdauer zu erhalten.Die äußere Gestaltung übernehmen Sie selbst. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

    Name:

    • L. Augustin
  7. Warum Kohle mit Rost und Holz ohne

    Kohle braucht bei ihrer Verbrennung, auch wenn sie nur noch glüht, eine ständige (wenn auch geringe) Luftzufuhr. Diese ist bei der Kohle am vorteilhaftesten von unten zu bewerkstelligen. Desweiteren ist bei Kohle der Ascheanfall in der Regel größer als bei Holz und stört die Verbrennung, so daß ein Rost und ein darunter befindlicher Ascheraum sehr sinnvoll sind.
    Bei Holz ist der Ascheanfall geringer. Holz braucht nur beim Abbrand genügend Luftzufuhr. Nach dem Abbrannt, wenn nur noch glühende Holzkohle vorhanden ist kann die Luftzufuhr vollständig gedrosselt werden (Ofentüre zu). Bei Holz hat die Asche im Verbrennungsraum positive Eigenschaften, da sie eine katalytische Wirkung hat und das Glutbett erhält.
    Eine Ofen-Lösung, bei der man Holz und Kohle kombinieren kann ist sicherlich immer nur ein Kompromiss. Da Holz ein langflammig abbrennender Brennstoff ist, Kohle dagegen ein kurzflammiger und daher die Züge / Brennraum zur besten Ausnutzung anders konstruiert sein sollten.
    Von einem vollständigen Selbstbau ohne fachliche Anleitung rate ich ab. Ein Umsetzten eines vorhanden Ofens (Kauf eines alten Kachelofens) ist mit Vorsicht zu genießen. Man muß den Zustand auch beurteilen können und v.a. muß der Kachelofen auch zum Kamin an dem er betrieben werden soll passen. Desweiteren sind alte Schamotte oft nicht mehr zu gebrauchen und liegen in der Qualität hinter heutigen Schamotten.
    Man baut einen solchen Ofen nur einmal und man kann sehr viel falsch machen und offenes Feuer im Haus ist nicht zu unterschätzen. Was die Vesicherungen im Ernstfall sagen möchte ich gar nicht sagen. Ich finde so ein Grundofenbau ist mit einem kleinen Hausbau zu vergleichen. Wenn sich Fehler eingeschlichen haben gibt es nur Ärger.
    h.

  8. Prometheus, Biofire- Grundofen/Speicherofen, selberbauen?

    Als gelernter Ofensetzer (baue zu 99% nur Grundöfen), habe ich bis heute ca. 300 Biofire Öfen (jahrelang für Biofire tätig) und ca. 35 Prometheus- Grundöfen gebaut. Leichter und sicherer sind die Prometheus Grundöfen zu bauen. Warum? Die Zwischendecke und Schlußdecke wird mit Schamottesteine abgedeckt, die die beide Seitenwände überbrücken. Dabei weden die Steine jeweils 5 cm auf die Wände drafgesetzt, so dass ein Deckensturz unmöglich ist. Bei Biofire halten nur die Feder und der Kleber die ganze Decke. Das mag zwar der gelernter und erfahrerner Ofensetzer mit Vorsicht hinkriegen, aber wenn jemand noch hier keine Erfahrung hat, ist das schon ein Risiko. Zumindest sollte man hier den Speicherkern (wg. Gewährleistung) bauen lassen. Bei Prometheus sehe ich durchs Aufliegen der Schamottesteine auf Seitenwände, keine Bedenken.
    http://www.kachelofen-mohrendt.de


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